Vorweihnachtsgeschichte von Aletta

Anni Warfen Unsere Kunden berichten

Meine liebe Anni,

ich durchlebte wieder mal riesige Stimmungsschwankungen – wie ich sie eigentlich nur vom Hundeplatz kannte – und musste mich trotz größter Bedenken meinerseits dann aber den Willen meiner Menschen geschlagen geben und hatte so gestern kurzfristig „meinen Termin”, übrigens das 4. Mal in meinem Leben.

„Na Aletta, was fehlt uns denn heute” war bereits die bekannte Begrüßung beim letzten Mal und auch diesmal nicht als Frage gemeint. Sie wussten eigentlich immer was „mir” fehlte oder zumindest taten sie so. Es ging bereits über mehrere Wochen, dass regelmäßig mein linkes Ohr gequält wurde und immer wieder „mein” kostbares Blut abgesaugt wurde. (Hatte gerade gelesen, dass die Konserven wieder knapp sind.)
Bereits im Sitzungszimmer konnte ich an meinen Menschen merken,
dass es diesmal anders war, dass irgendwie die Lockerheit fehlte, sie
sprechen ohnehin wenig miteinander, aber diesmal war ja richtig
Funkstille.

as veranlasste mich aber umso mehr wachsam zu sein und ich legte
mir eine neue Strategie zurecht. Auf dem Weg vom Sitzungssaal, vorbei an wartenden Kollegen, in Richtung „Eintonraum” – alles weiß, Kacheln und Möbel, selbst die Menschen darin ~ verstärkte ich meine übliche Borstigkeit zur absoluten Steifigkeit um dann bei der ersten kleinen Berührung schlagartig den Bewegungsapparat zwischen Rumpf und Beinansatz kurz zu öffnen, um im nächsten Moment
zusammenzusinken und gleich wieder zu versteifen. Diese Technik habe ich in meiner Schulzeit entwickelt und sie hat mir bereits bei vielen morgendlichen Spaziergängen mit Frauchen gute Dienste erwiesen. Auch hier sahen sich die Menschen im weißen Kittel zunächst hibclos an und guckten zu meinem Menschenvater; der schien das aber gar nicht witzig zu finden, fasste mich kurzentschlossen unterm Bauch, hob mich hoch und schon lag ich platt auf dem OP Tisch.

Nun ja, wenn das der Willen meiner Menschen ist, dachte ich noch so, entspannte leicht und wurde schläfrig.

Ich hatte dann eine tolle Zeit, fühlte mich leicht und befreit von altagsstressigen Gedanken, konnte mich fortbewegen als wenn ich fliege, sah bunte Bilder die mir alle irgendwie bekannt vorkamen und fand mich schließlich in einem Tunnel wieder. Es war wie früher auf dem Hundeplatz, nur war der Tunnel viel länger und bequemer, die Seiten waren weich und samtig und berührten mich leicht. Ich konnte beide Tunnelenden sehen, war mittendrin. Ein Ende war grau und wirkte verschlossen, das andere Ende war hell erleuchtet, die Seitenwände schoben mich langsam in diese Richtung. Ich konnte rausgucken, sah eine weiße, wie Schnee wirkende friedliche Landschaft. Da waren auch Spielkameraden von früher, die ich lange nicht getroffen
hatte, Rudi aus Wismar, Titus von der Hundeschule und sogar mein Welpenbruder Attila, den ich ja ganz aus den Augen verloren hatte. Leute ich komme zu euch!

„Aletta.” Das Rufen kam aus einer anderen Richtung. Wieder „Aletta, hörst Du uns. ” Ich war irritiert, drehte mich um, das Rufen kam von der grauen Seite des Tunnels.

Ich guckte nach vorn, dieses leuchtende Weß, der Schnee der wie eine Wolkendecke aussah und dazu meine Kumpels, die ich lange nicht gesehen hatte. Worauf wartete ich.

„Aletta, du musst jetzt wach werden.” Ein eindringliches Rufen von der grauen Seite. Wieso wach werden dachte ich und war irritiert. Mein Blick nach vorn zeigte mir, das helle Licht wurde jetzt trüber, insgesamt überall recht dunkel dachte ich noch, als mir bewusst wurde, dass ich meine Augen ja auch geschlossen halte.

Nun ja, es war jetzt keine Überlegung mehr, ich öffnete die Augen und sah leicht verschwommen wieder Weiß, allerdings mit Gesicht. Ich kannte dieses Gesicht, Frau Steinkamp, die immer freundliche Assistentin nickte mir freudig zu.

Es dauerte noch etwas, bis meine “Alten” mich dann abholen konnten, in der Zwischenzeit guckte ich mir im Spiegel mein geschundenes Ohr an, es war gut verpackt und sah irgendwie weihnachtlich aus, und ich dachte noch mal über das erlebte nach – packte es dann aber in die „Schublade” unter „LInerledigtes” und konzentrierte mich auf eine Wiedersehens-Strategie mit meinen Menschen. Hab mich für „cool” entschieden.

Liebe Anni, ich freue mich auf ein Wiedersehen in 2011 und umarme Dich.

Deine Aletta