Völlig leinenlos…

Anni Warfen Unsere Kunden berichten

Nie hätte ich geahnt, dass man unter so etwas wie “Leinenentzug” leiden kann, aber das gibt es tatsächlich.

 

Im November musste ich eine Operation über mich ergehen lassen, damit fing das Dilemma an. Eingesperrt in einem Krankenzimmer – bewegen soll ich mich, aber nicht nach draußen an die frische Luft, sondern nur bis zur Tür am Ende der Station. Schwer für jemanden, der sich täglich mehrere Stunden draussen aufhält. Voller Neid beobachtete ich aus dem Fenster die Leute, die vor meinem Fenster mit ihren Hunden spazierengingen. Und was fällt einem da so auf! Da läuft einer ohne Leine – ist das hier überhaupt erlaubt? Endlich, nachdem ich auf dem Stationsflur Furchen gelaufen und mir mit meiner “Mitbewohnerin” Rennen geliefert hatte (die ich natürlich gewonnen habe), durfte ich durch die große Tür. “Na, Frau Klamroth, wollen Sie eine rauchen?” Nein, wollte ich nicht, ich wollte nur an die Luft, raus aus dem Zimmer. Naja, das Rauchen lässt sich dann so nebenbei erledigen.

Aus dem Krankenhaus entlassen ging es dann in die nächste “Gefangenschaft” – die Reha. Wieder nur von Zimmer zu Zimmer, von Anwendung zu Anwendung. Jedenfalls konnte ich zwischendurch mal raus, das habe ich auch genutzt, und festgestellt, wie schön man dort spazierengehen kann – aber nur mit Hund. Wenn man so durch die Gegend läuft, ohne eine Leine in der Hand, kommt man sich doch vor wie ein halber Mensch. Weit und breit war auch kein Hund  zu sehen – gab es da etwa keine? Ich stellte fest, dass ich schon dankbar war, wenn ich nur Hundegebell hörte. Nach einiger Zeit hatte eine liebe Kundin von uns Erbarmen mit mir und besuchte mich – mitsamt ihren beiden Hunden! Sie war kaum aus dem Auto gestiegen, da merkte ich, ich war voll auf Entzug. “Gib mir schnell eine Leine mit Hund am Ende – egal welche!” Ich bekam eine und wir gingen bei Regenwetter eine gute Stunde spazieren. Wir verabschiedeten uns, ich war klatschnass,  meine Jacke tropfte, aber ich war überglücklich.

Nach langen drei Wochen durfte ich nach Hause und meinen eigenen Hund knutschen, streicheln und endlich meine eigene Leine mit meinem Sportpartner am Ende in der Hand halten. Anni sagt nach ihren “Ausfügen” immer: “Söhren ist eine Insel” – und sie hat Recht. Nirgendwo gibt es so viele nette Menschen mit Hunden, und das sage ich nicht nur, weil ich auf dieser Insel auch noch arbeite. Auf diesem Wege möchte ich mich einmal ganz, ganz herzlich bei all unseren Kunden bedanken, die mich während meiner “Gefangenschaft” per Telefon und SMS so gepflegt haben. Und da wundert ihr euch, wenn ich euch bei meiner Rückkehr erstmal alle drücken muss…

Eure Petra