Zecken beim Hund – Teil I: Borreliose

Anni Warfen Aktuelle Themen, Gesundheit

Zecken gehören zu den Spinnentieren und zählen zu den bedeutenden Krankheitsüberträgern. Der bei uns heimische Holzbock lebt im Gras, Gestrüpp und Unterholz bis zu einer Höhe von 1,50m. Er fällt nicht von den Bäumen, wie manche behaupten, sondern findet sein Opfer mit Hilfe des Hallerschen Organs, das sich an den Beinen befindet und Schweiß, sowie Atem des Opfers wittert. Zecken ernähren sich von ihrer Blutmahlzeit, sowohl die Männchen, als auch die Weibchen saugen. In milden Wintern können Zecken überleben, erst bei -20 Grad erfrieren sie. Allerdings sind sie im Winter eher selten aktiv.

In Deutschland spielen folgende Arten eine wichtige Rolle:

Der Holzbock als Überträger der Borreliose, FSME und der Ehrlichiose.
Die braune Hundezecke; sie ist durch den Tourismus aus den Mittelmeerländern bei uns gelandet, kann sich auch in der Wohnung vermehren und überträgt auch die Ehrlichiose.
Die Buntzecke (Auwaldzecke), als Überträger der Babesiose, sog. Hundemalaria. Diese Zeckenart ist ebenfalls aus südlichen Ländern nach Deutschland gekommen und vermehrt sich nun auch hier vehement. Sie ist größer als der Holzbock und unglaublich schnell.

Bekämpfung:
Ein Hausmittel, das wirkt, soll kaltgepresstes Leinöl sein. Je nach Größe des Hundes einen Tee- oder Esslöffel verabreichen . Es wirkt über seine ätherischen Öle.
Dann gibt es jede Menge Zeckengift beim Tierarzt. Wir unterscheiden Akarizide und Repellentien. Erstere töten die Zecke durch Giftaufnahme beim Blutsaugen. Repellentien halten die Zecke vom Opfer weg, d.h. sie werden abgehalten zu stechen. Viele Mittel wirken sowohl als Akarizid, als auch als Repellens. Manche Hunde bekommen nach dem Auftragen des Medikamentes Juckreiz. Wenn Sie mit einer Spritze (ohne Nadel) erst etwas Speiseöl und dann das Mittel auf die Haut geben, lässt sich diese unangenehme Begleiterscheinung in Grenzen halten.

Um Zecken zu entfernen benutzt man eine Zeckenzange, dreht sie langsam heraus ohne den Kopf abzureißen. Auf keinen Fall sollte man die Zecke mit Alkohol oder ähnlichem betäuben. Dadurch wird die Krankheitsübertragung gefördert.

Die Borreliose
Borrelien sind schraubenförmige Bakterien. Sie werden beim Saugakt des Holzbocks auf das Opfer übertragen. Dabei können nicht nur die erwachsene Zecken, sondern auch ihre Jugendstadien (Larven und Nymphen) die Borrelien übertragen. Die Übertragung erfolgt ca. 24h nach Beginn des Saugens. Dabei wandern die Borrelien aus dem Zeckendarm in die Speicheldrüsen des Holzbocks und dann in das Opfer. Heute sind ca.25-30% der Zecken in Deutschland mit Borrelien infiziert.

Beim Menschen entstehen im klassischen Krankheitsfall 3 Stadien.
Stadium I: Tage bis Wochen nach dem Biss, die Wanderröte (Hautverfärbung an der Bisstelle), evtl. Grippe, Fieber und Gelenksschmerzen.
Stadium II: Wochen und Monate später Polyarthritis und, oder Hirnhautentzündung.
Stadium III: Oft Jahre später, chronische Gelenks-, Nieren- und Hautveränderungen.

Beim Hund verlaufen viele Infektionen stumm, d.h. symptomlos. Erkranken die Tiere, so entsteht eine Lahmheit (Arthritis) in einem der Bisstelle nahe gelegenem Gelenk. Nur bei folgenden Rassen, wie dem Berner Sennenhund, Labrador und Golden Retriever wurden im Verlauf der Borreliose auch Nierenveränderungen festgestellt. Hirnentzündungen sind selten.

Die Diagnose der Erkrankung erfolgt nach einem Zweistufensystem. Zuerst weist man vorhandene Antikörper (Immunglobulin G) im Blut nach. Ist diese Untersuchung positiv, erfolgt eine zweite, welche nachweist, ob der Hund die Antikörper durch Infektion oder eine Impfung gebildet hat. Im ersten Fall schließt sich eine 30tägige Therapie an. Das Mittel der Wahl ist Doxycyclin, aber auch andere Antibiotika sind wirksam, wie Amoxicillin und andere. Schmerzmittel und Entzündungshemmer sind erlaubt, sofern sie cortisonfrei sind. Cortisone schwächen das Immunsystem, was die Borreliose nur fördern würde. Wenn die Behandlung frühzeitig einsetzt, ist die Prognose günstig. Resterreger werden jedoch im Körper verbleiben, so dass bei Stress und schlechter Immunabwehr Rückfälle immer möglich sind.

Prophylaxe: Dazu gehört das tägliche Absammeln der Zecken vom Hund, weil die Übertragung der Borrelien erst nach 24h beginnt, sowie der Schutz mit Zeckenwirksamen Präparaten ( Protektorbänder, Spot-on Mittel).

Impfung: Seit 1999 ist ein Impfstoff gegen die Borreliose des Hundes zugelassen. Die Meinung über seine Wirksamkeit war bei Tierärzten und Patientenbesitzern lange umstritten. Durch wissenschaftlich fundierte Studien, weiß man jetzt vom Erfolg der Impfung. Der Impfstoff verhindert, dass die im Zeckendarm schlummernden Borrelien in die Speicheldrüsen des Holzbocks wandern. Somit ist eine Übertragung auf den Hund nicht möglich.

Impfschema: erste Impfung mit 12 Wochen, zweite 4 Wochen später, am besten im Frühling. Eine dritte im Herbst ist empfehlenswert, um den Antikörperspiegel anzuheben. Anschließend immer im Frühling im jährlichen Turnus. Infizierte Tiere sollten nicht geimpft werden. Der Impfstoff ist im allgemeinen gut verträglich.

Übrigens: eine vom Hund durchgemachte Borrellieninfektion hinterlässt keine wirksame Immunität!

In Teil II folgen die FSME, die Babesiose und die Ehrlichiose des Hundes.