Woher kommt die Gelehrigkeit unserer Hunde?

Anni Warfen Aktuelle Themen, Wissenswertes

Der Hund ist geprägt mit der Eigenschaft der Gelehrigkeit. Eine Eigenschaft, der in der Erziehung des Hundes und dem gemeinsamen Leben mit ihm eine große Bedeutung zukommt. Mit etwas Geduld und ordentlicher Übung wird der Hund der perfekte Begleiter des Menschen und kann ihn in vielen Lebenslagen unterstützen. Das Gelernte wird manchmal auch unter den Hunden selbst weitergegeben. Sie tauschen sich über gelernte Übungen und Aufgaben aus. So lernen Hunde etwas von ihren Artgenossen. Doch woher kommt dieser Wille zur Gelehrigkeit?

Bachus und Eine Eule Monika Leirich 052Auch Wölfe koordinieren sich mit ihren Rudelmitgliedern. Sie arbeiten gemeinsam in der Gruppe. Ihre Handlungen sind genauestens aufeinander konzipiert. Dies erlangen sie durch gute Beobachtung und dem Versuch Nachahmung. Doch ob sich diese Erkenntnis auch auf Hunde anwenden lässt, war lange nicht geklärt.

Das Forschungszentrum Messerli der Uni Wien ist diesem Geheimnis nun etwas näher gekommen. Es konnte ein Vergleich zwischen einem Rudel Wölfe und einer Gruppe Hunden erstellt werden, die unter genau denselben Bedingungen leben. Die Gruppen sind eine frühe Handaufzucht, leben in Freigehegen und sind täglich in Verbindung mit Menschen. Zudem führen sie Kontakt zu einigen erfahrenen Hunden, die als Botschafter dienen. Sowohl Hunde als auch Wölfe akzeptieren diese Hunde als ranghöher und orientieren sich an ihnen.

Bachus und Eine Eule Monika Leirich 049Bei den Beobachtungen konnte festgestellt werden, dass Wölfe besser in der Lage waren, die von den Botschafterhunden demonstrierten Übungen auszuführen. Die schwierigen Aufgaben konnten sie nach nur einer Demonstration nachahmen. Im Gegensatz dazu war es den Hunden nicht möglich, sich an den Botschafterhunden zu orientieren und ihre Taktik zu übernehmen. Daraus lässt sich schließen, dass Wölfe geschickter sind, im Ablernen.

Bachus und Eine Eule Monika Leirich 126Eine weitere Übung zeigte eine ebenso bedeutende Erkenntnis. Hierbei war das Verstecken von Nahrung elementar. Ein totes Tagesküken diente für den Versuch. Sowohl ein Botschafterhund als auch ein Mensch versteckten das Tageküken. Es wurde deutlich, dass die Wölfe sich stark an den Menschen orientieren. Sobald ein Hund die Nahrung versteckte, zeigten die Wölfe Desinteresse. Die lässt sich daraus ableiten, dass Wölfe genau erkennen, wie groß das Interesse der Botschafterhunde an der Nahrung ist. Sind auch sie eher abgeneigt, reflektieren die Wölfe, dass sich diese Nahrung nicht lohnt. Deutlich wird, dass die Wölfe sich viel stärker an den Menschen orientieren. Die Menschen sind durch die Verhaltenstest zu Sozialpartnern der Wölfe geworden. Von ihnen erhalten sie Belohnungen für absolvierte Tests. So ist es für sie wichtig, sich an diesen Sozialpartner zu haften, da es gegebenenfalls Vorteile für das Rudel bringen könnte. Im Vordergrund steht dabei der Überlebenswille.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Gelehrigkeit der Hunde eine Balance zwischen Entwicklung von Toleranz gegenüber dem Sozialpartner und der Mäßigung aggressiver Reizen darstellt. Wölfe faszinieren mit überraschenden Fähigkeiten und einer gescheiter Beobachtungsgabe.

(Partner Hund Nr. 6(2014), Görblich, S.46-48)