Wenn die Pubertät beginnt

Wilma Warfen Aktuelle Themen, Erziehung und Ausbildung

Für alle Welpenbesitzer wird sie eines Tages kommen, die Zeit in der doch ach so süße Hund einfach gar nicht mehr hören will. Der Umgang mit ihnen ist dann meist gar nicht so einfach und viele Hundeführer verzweifeln. Doch was ist in dieser Zeit eigentlich los mit unseren lieben Vierbeinern.

Vom 5.-24. Lebensmonat mit dem Zahnwechsel beginnt die Jugendentwicklung.  Diese Zeit teilt sich noch einmal in unterschiedliche Reifegerade. So ist vom 6.-12. Monat die Pubertät, die mit der Geschlechtsreife endet.  Darauf folgt die sogenannte Adoleszenz. Diese meint die Zeit der Reifung hin zum erwachsenen Hund, in der sich Strukturen im Gehirn verändern, genauso wie die hormonellen Strukturen und sich das Nervensystem entwickelt.

Wie auch bei uns Menschen kommen große Veränderungen auf den Hund zu. Wir spüren diese Veränderungen durch sein Verhalten. Typische Anzeichen sind ein erhöhtes emotionales, aggressives oder reaktives Verhalten. Plötzlich stellen ganz gewohnte Dinge ein Problem da und werden angebellt. Auch beim Training funktionieren einige Übungen nicht mehr. Das liegt daran, dass ihr Interesse für die Umwelt mehr und mehr zunimmt. Oft können sie sich dieser Versuchung nicht entziehen und müssen ihre Umgebung erkunden. So kommt es, dass sie abgelenkt sind und ihre Konzentrationsfähigkeit nachlässt.

Manches Mal kann es in der Pubertät und Adoleszenz zu Angstphasen kommen. Es ist wichtig bewusst mit diesen Phasen umzugehen. Ansonsten wird die Liste der Angstauslöser schnell länger.

Mit dem Bewusstwerden das der Hund sich in einer starken Entwicklungsphase befindet, ist es jedoch leicht, Verständnis aufzubringen.  So kann man dem Hund helfen diese Zeit zu überstehen.

Es ist in dieser Zeit also sinnvoller, im Training ein paar Schritte zurück zugehen. Die vermehrte Ablenkung und das Nicht-Hören werden sich nämlich auch da bemerkbar machen. Manche Dinge sind einfach nicht abrufbar und werden mit der Zeit wiederkommen. Verloren ist nichts! Fängt man einfach etwas weiter unten an, macht man es sich und seinem Vierbeiner wesentlich einfacher. So können Trainingserfolge verbucht werden.  Bestrafen wir den Hund hingegen, weil wir durch sein Nicht-Hören schlechte Laune bekommen, wird er sein Vertrauen in uns verlieren. So kann unser Verhalten zu Problemen führen, die der Hund im Erwachsenenalter haben wird.

Die Zauberwörter sind also wie so oft: Geduld und Ruhe. Geben wir dem Hund Zeit und begleiten ihn auf dem Weg zum Erwachsenwerden, wird vieles einfacher gehen. Der Hund kann so die Welt in seiner Geschwindigkeit erkunden. Bleiben wir in dieser Zeit dran, trotz Frust und Mühe, werden wir später viel Freude haben. Letztendlich setzen wir auch dann noch Grundsteine für das weitere Hundeleben. Zudem sollen auch Leckerlis in dieser Zeit keine „Überredung“ sein Dinge zu tun. Der Hund soll Situationen gemeinsam und vor allem freiwillig mit seinem Hundeführer überwältigen.  Daher ist es sinnvoll gerade gutes Verhalten ausreichend zu belohnen. Statt Dauertadeln lieber das hervorheben, was super klappt. So halten wir die Motivation bei Laune und der Hund zeigt er gar kein unerwünschtes Verhalten.

Man muss sich also klar werden, wie man das gewünschte Verhalten ausreichend belohnen will. Nur so lässt sich das positive Verhalten Verstärken. Ein Kommandowort kann dabei hilfreich sein.  Es ist sinnvoll viele Dinge aufzulisten, die der Hunde gerne mag. So erhält man sich einen Überblick. Wichtig ist  dabei, seine entsprechende Junghundphase zu beachten. Belohnungen können beispielsweise Suchspiele sein. Also Belohnungen bei denen der Hund auch mal selbständig arbeiten darf, selbst belohnendes Verhalten, oder auch Entspannung. Auch die Distanzerweiterung zu unheimlichen Dingen kann eine Belohnung sein oder der Körperkontakt in diesen Situationen. Genauso wie das Hinterherrennen nach mehreren Futterstückchen oder einem felligem Spielzeug. Auch Zerren kann man mit so einem Spielzeug super. Ein Futterbeutel ist ebenfalls immer hilfreich zum Verstecken, Suchen und Apportieren.

Die Hunde in dieser Phase haben noch keine gezielte Impulskontrolle. Sie können sich in gewissen Situationen also nicht zurücknehmen. Mit Suchaufgaben kann der Hund lernen, dass er durch Anstrengung ans Ziel gelangt.  Doch auch Dummyarbeit kann in dieser Phase dem Hund helfen.

Es ist also gar nicht so schlimm. Und wenn Hund und Mensch gemeinsam diese Zeit meistern, wachsen sie noch enger zusammen. Es ist nur wichtig, dass der Mensch dem Hund genügend Verständnis entgegenbringt. So wächst der Junghund zu einem selbstbewussten, guterzogenen und vor allem glücklichen Hund heran.