Wenn das Immunsystem Krawall macht: Die Atopische Dermatitis des Hundes

Anni Warfen Aktuelle Themen, Gesundheit

Die Atopische Dermatits (AD) des Hundes ist leider weit verbreitet. Im Gegensatz zur Allergie, die durch ein Allergen, wie z.B. Flohspeichel, ausgelöst wird, ist die AD eine überschießende Immunantwort auf harmlose Substanzen. Dabei wird auch der eigene Körper geschädigt. Meist liegt bei AD Hunden zusätzlich eine Allergie vor. Die betroffenen Hunde haben ständig Juckreiz. Sie kratzen mit den Pfoten und Belecken sich. Dies führt auf Dauer zu Haarausfall und Hautschäden. Die Ursache ist noch nicht geklärt, aber man vermutet sie in den Genen. Ganz häufig beobachtet man Ohrenentzündungen in Begleitung der AD.

Therapie:
Auf jeden Fall sollte der Kontakt mit Allergenen vermieden werden. Das heißt Staubsaugen mit einem Hausstaubmilbenfilter. Der Schutzbezug des Hundekörbchens sollte eine geringe Porengröße haben und häufig gewaschen werden. Eine Gräserpollenallergie dagegen lässt sich nicht vermeiden. Die Hunde sollen regelmäßig gegen Parasiten (Flöhe, Milben) behandelt werden.

Wichtig ist es, Futtermittelunverträglichkeiten herauszufinden. Das geht am besten durch eine Ausschlussdiät. Wird das Krankheitsbild besser, wenn wir Fisch füttern, oder Geflügel, Rind oder eine fremde Eiweißquelle, wie z.B. Strauß? Das Gleiche gilt für die Kohlehydrate: Reis, Nudeln oder Kartoffeln? Dies ist ein anstrengender Weg für den betroffenen Hundebesitzer. Hat man das Richtige gefunden, kann man dann auf ein handelsübliches Futter mit der entsprechenden Zusammensetzung umsteigen.

Als Nahrungsergänzung eignen sich essentielle Fettsäuren, die in hochwertigen Pflanzen- und Fischölen vorkommen. Sie sind als Omega 3, 6, und 9 Fettsäuren in konzentriertem Zustand beim Tierarzt erhältlich. Man schreibt ihnen entzündungshemmende Wirkung und einen positiven Effekt auf das Immunsystem zu.

Bei allen AD Hunden findet man auf der Haut vermehrt Bakterien, wie Staphylokokken und Hefepilze. Deshalb müssen die Patienten mit medizinischen Shampoons gebadet werden, die 10 Min. einwirken sollten. Obwohl die AD keine Allergie im üblichen Sinne ist, sollte ein Allergietest durchgeführt werden, weil meist beides vorliegt. Das gefundene Allergen wird zunächst in geringen Mengen und kurzen Abständen appliziert, dann steigern sich Menge und Zeitintervalle.

Die entzündungshemmende Therapie mit Cortison wirkt meist sehr schnell, ist aber mit vielen Nebenwirkungen verbunden. Die Hunde trinken viel, haben ständig Hunger, nehmen zu, hecheln, neigen zu Diabetes und Osteoporose. Kaum wird es abgesetzt, geht der Juckreiz meist von vorne los. Neuerdings wird das Cortison durch Cyclosporin A ersetzt. In der Humanmedizin wird es schon längere Zeit erfolgreich eingesetzt. Die negative Wirkung auf die menschlichen Nieren ist beim Hund nicht vorhanden. Am Anfand der Therapie kann es zu Übelkeit und Durchfall kommen.

Mir ist in meiner Praxis kein solcher Fall bekannt. Zunächst gibt man täglich, bei Besserung jeden zweiten Tag usw. Ich habe einen Patienten der jetzt, nach 2-jähriger Therapie ohne Cyclosporin und ohne Juckreiz lebt. Es scheint eine gute Alternative zum Cortison zu sein. Der Nachteil ist der hohe Preis. Abschließend sei gesagt, dass ein Hund mit AD eine echte Herausforderung für den Besitzer und den Tierarzt ist.