…und schon wieder die Hörzeichen

Anni Warfen Aktuelle Themen, Erziehung und Ausbildung

Wir haben ja schon davon gesprochen, dass die Hörzeichen und auch das Korrekturwort jedesmal ein bisschen lauter werden. Das geschieht, ohne, dass es dem Menschen bewusst wird, der Hund registriert es aber sehr wohl.

Nun haben wir in den Gruppenstunden folgendes Phänomen beobachtet: Wenn unsere Teams auf den Platz kommen und der Vierbeiner erstmal auf “Betriebstemperatur” gebracht werden muss, ist der Geräuschpegel oft relativ hoch. Der Hund ist aufgeregt, konzentriert sich nicht, ist sehr abgelenkt, der Mensch dazu dementsprechend ungeduldig, genervt, wird wütend – schliesslich möchte man ja arbeiten und die Anweisungen des Trainers möglichst schnell und korrekt ausführen.

Wie im vorherigen Text beschrieben funktioniert das nur leider nicht.
Im Laufe der Unterrichtsstunde, je nach Übungen, der Umsetzung des Hundeführers und der Konzentration des Hundes, senkt sich die Lautstärke. Um es einmal auf den Punkt zu bringen: Ist euch vielleicht schon einmal aufgefallen, dass der Mensch automatisch leiser wird, je mehr das Team sich konzentriert?

Man kann den Hund auch durchaus durch die Betonung des Hörzeichens lenken. Ist er sowieso schon aufgeregt, bringt es garnichts, herumzuschreien und ungeduldig zu sein. Der Hund merkt nur, dass wir kurz vor dem Platzen sind. In solchen Momenten muss der Mensch dagegen steuern, so schwer es auch fällt. Aber schliesslich hat auch niemand behauptet, dass Hundeerziehung leicht und innerhalb einer bestimmten Zeit abgeschlossen ist.

WP_20140509_001Das heisst, möchten wir, dass der Hund sich z. B. ruhig bewegt, betonen wir die Hörzeichen dementsprechend. Die Stimme wird tiefer, ruhiger und das Kommando wird in die Länge gezogen. Da fällt uns das allseits beliebte “langsam” ein. Wird dieses mit hoher Stimme und freudiger Betonung gesprochen, führt der Hund es garantiert nicht so aus wie wir es gern hätten.

Andersherum funktioniert es übrigens auch. Ein freudiges, mit hoher Stimme gesprochenes Hörzeichen kann den Hund motivieren. Soll er sich z. B. schnell setzen, hört aber ein “Siiiiiiiitz”, klappt das in der Regel auch nicht.

WP_20140418_003Beobachtet euch bitte einmal selbst, macht euch bewusst, wie ihr mit eurem Hund kommuniziert, d. h. in welcher Lautstärke, ob diese sich verändert, je öfter ihr korrigieren müsst und beobachtet dabei euren Hund. Wie betont ihr die Hörzeichen? Wann motivieren sie eher, wann sollen sie den Hund “herunterfahren”? Und funktioniert das überhaupt? Setzt ihr das selbst um, oder ist euer Vierbeiner an Hörzeichen mit einer bestimmten Lautstärke gewöhnt? Sprecht ihr vielleicht ständig etwas lauter? Fangt ihr irgendwann sogar an, in ganzen Sätzen zu reden, ob bei Kommandos oder Korrektur? Seid ihr unklar in den Hörzeichen, habt zur Korrektur ein zusätzliches und bleibt nicht bei dem ursprünglichen?

Bei diesen ganzen Dingen steht uns immer das “Menschliche” im Weg, Wort kommen einfach so herausgesprudelt, ohne nachzudenken und ohne dass es uns be-wusst ist. Nur sollten wir uns immer vor Augen halten, wie es bei unserem Hund an-kommt, was dieser so alles registriert. Dasselbe gilt übrigens auch für die Körpersprache. Bei der Kommunikation mit dem Hund reden wir Menschen oft mehr als wir eigentlich müssen. Und wir sollten uns schon überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lassen, oder habt ihr schon einmal ein Alphatier gesehen, dass hektisch umherläuft und ständig laut bellt?

Unser Trainerfazit: Wenn wir in den Stunden so gut wie nichts hören, können wir davon ausgehen, dass unsere Teams voll konzentiert sind.