…und ewig währt das Leckerli – oder etwa nicht?

Anni Warfen Aktuelle Themen, Erziehung und Ausbildung

Wir dachten uns, wir thematisieren einmal das Leckerli als Belohnung bei der Arbeit mit dem Hund. Manchmal wird der Sinn dieser Art der Bestätigung nicht verstanden, oder, was eigentlich schlimmer ist, viel zu früh abgebaut.

Wer mit einem Welpen in unsere Hundeschule kommt oder auch den theoretischen Abend mitgemacht hat, hat erklärt bekommen, warum das Leckerli beim Lernen eine so große Rolle spielt. Futter ist etwas Lebensnotwendiges, das weiß sogar der Hund. Im Wolfsrudel z. B. wird den Welpen regelmäßig Futter vorgewürgt, um sie an das Rudel zu binden. Das passiert nicht ihr Leben lang, denn irgendwann ist die Bindung gefestigt und sie werden von allein beim Rudel bleiben, schließlich würden sie sonst nicht überleben.

Was bedeutet das jetzt für uns? Ist der Hund noch jung, muss er natürlich eine ganze Menge lernen. Mit Hilfe des Futters kann ich ihn aber auch durch “gefährliche” Situationen lenken, z. B. über ein Gerät, die Kisten oder unsere Brücke. Manchmal hat der Hund aber so viel Streß, daß er kein Futter nehmen kann. Ansonsten ist ein besonderes Leckerli, z. B. Käse- oder Fleischwurstwürfel ein tolles Lockmittel. Dies gilt natürlich auch, wenn ich einen älteren Hund führe. Beim jedem Hund wird durch die “Futtergabe” aus der Hand eine Bindung zum Hundeführer aufgebaut, denn schließlich ist er derjenige, von dem der Hund das Lebensnotwenige bekommt.

Bei der Arbeit mit dem Hund arbeiten wir mit Lob und Korrektur. Loben ist natürlich  nicht nur die Gabe des Leckerlis sondern vorrangig das verbale Lob. Dies kommt in der Regel auch innerhalb der Verknüpfungsdauer (1 – 2 Sekunden) des Hundes. Manchmal dauert es ja etwas, bis man so ein Leckerli aus der Tasche gekramt hat, und wir haben die Hand später auch nicht immer voll mit Futter.

Der Hund lernt durch ständiges Wiederholen, deshalb solltet ihr auch zuhause fleissig üben, was euch von uns in den Unterrichtsstunden mitgegeben wird. Wenn ein Hörzeichen schon prima klappt, müssen wir nicht immer ein Leckerli hinterherschieben, aber wir sollten dies schon langsam abbauen. Z. B. bekommt der Hund nicht für jedes “Sitz” ein Leckerli, sondern vielleicht nur für jedes zweite oder dritte, trotzdem können wir ruhig einmal ein schnelles, gerades Sitzen spontan mit einem Leckerli belohnen, dabei spielt auch das Alter des Hundes keine Rolle.

Was immer belohnt werden sollte, und zwar solange der Hund lebt, ist das Kommen zum Hundeführer! Das Abrufen gehört mit zu den wichtigsten Übungen überhaupt, und ihr solltet nie mit dem Hund schimpfen, wenn er verzögert kommt. Immer mit freundlicher Stimme ansprechen und bestätigen, sonst überlegt es sich eure Vierbeiner ganz schnell anders und kommt überhaupt nicht mehr.

Was eignet sich als Leckerli? Eigentlich alles, was der Hund gern mag. Das kann Wurst, Käse, aber auch Obst oder Gemüse, aber auch Trockenfutter sein. Ihr solltet nur darauf achten, daß die Stückchen nicht zu groß sind, damit der Hund nicht stundenlang darauf herumkauen muss. Das, was der Hund beim Arbeiten “verbraucht” bitte von der täglichen Futterration abziehen!