Rückenmarksdegeneration des älteren Hundes

Anni Warfen Aktuelle Themen, Gesundheit, Senioren- und ältere Hunde

Die sogenannte degenerative Myelopathie ist ein Verfall des Rückenmarks im Bereich der Brust-und Lendenwirbelsäule. Wie man heute weiß, ist die Erkrankung genetisch bedingt. Der Erbgang ist autosomal rezessiv. Das bedeutet, dass beide Elterntiere den Gendefekt tragen, ohne selbst erkrankt sein müssen. Wenn die Myelopathie ausbricht, sind die Hunde 8-10 Jahre alt, selten jünger. Beide Geschlechter sind gleicher Maßen betroffen. Früher glaubte man, es sei eine Schäferhundkrankheit. Heute weiß man, dass viele Rassen betroffen sind: Berner Sennenhunde, Jagdhunde, Welsh Corgis, viele mehr, auch Mischlinge.

Symptome und Verlauf:
Die Krankheit verläuft schleichend. Zunächst fällt nur auf, dass der Hund die Hinterzehen schleift. Dabei werden die Krallen abgewetzt. Später kommt überköten dazu, das heißt, die Pfoten schleifen am Boden. Das führt zu Verletzungen. Deshalb ist Pfotenschutz durch Schuhe nötig. Diese sollten Rutschsicher sein, denn die Schwäche der Hinterhand schreitet fort, und die Hunde grätschen auf glattem Untergrund (Fliesen, Parkett, Laminat). Treppen werden zunehmend zum Problem. Ein Handtuch unter dem Bauch als Schlinge gehalten, kann sehr hilfreich sein. Später wird Laufen zunehmend schwieriger, bis zur Nachhandlähmung. Wenn der Hund am Leben gelassen wird, werden auch die Vordergliedmaßen von der Lähmung betroffen. Harnblasenfunktion und Stuhlgang bleiben meist unter Kontrolle. Keine Inkontinenz. Die Erkrankung ist schmerzfrei, ein Trost, aber: Die Patienten verlieren die Fähigkeit sich selbst wahrzunehmen. Dies und die Ataxie bergen die Gefahr von Verletzungen . Deshalb ist Toben oder Klettern tabu. Da die Hunde schmerzfrei sind, nehmen sie keine Rücksicht auf sich. Der Krankheitsverlauf dauert vom Auftreten der ersten Symptome 1-2 Jahre, selten 3.

Diagnose: der Verlauf, das Alter des Hundes, evtl. ein DNA-Test. Dieser kann mittels Blutprobe oder durch einen Backenabstrich durchgeführt werden. Auch bei klinisch gesunden Hunden kann der Test positiv sein. Bildgebende Verfahren, wie Röntgen, CT können andere Erkrankungen ausschließen. Dazu zählen Bandscheibenvorfälle (treten akut auf, schmerzhaft), Tumore und andere. Ein echter Nachweis ist die histologische Untersuchung des Rückenmarks, die am lebenden Tier nicht möglich ist.

Therapie:
Die Erkrankung ist nicht heilbar, der Verlauf lässt sich durch Physiotherapie verzögern.

Vorschlag einer sehr anerkannten Neurologin und Physiotherapeutin: Lieber öfter gehen als einmal – lang, mindestens dreimal täglich. Oft fällt den Hunden Trab leichter als Schritt, weil sie dabei Schwung entwickeln. Bergauf stärkt die Hinterhand. Schwimmen ist super oder Laufband unter Wasser. Aufstehen aus dem Sitzen üben mit Leckerlis. Massage der Beckengliedmaßen und der Rückenmuskulatur, sanft, da der Tonus erhöht ist. Passives Bewegen der einzelnen Gelenke, langsam, zehnmal. Für Patienten, die kaum mehr laufen können gibt es als Gehhilfe den Biko-Expander und den Rollwagen.