Reisekrankheiten

Anni Warfen Aktuelle Themen, Gesundheit, Urlaub mit dem Hund

Wenn Sie Ihren Hund mit in den Urlaub nehmen und die Reise in den Süden geht, kann sich Ihr Vierbeiner mit verschiedenen Krankheiten anstecken.

Unter dem Thema Zecken habe ich letzten Monat über die Babesiose und die Ehrlichiose berichtet. Beide gehören zu den durch Zecken übertragenen Reisekrankheiten, wenn gleich sie zum Teil schon in Deutschland heimisch sind. Ganz kurz zum Auffrischen: Babesien zerstören die roten Blutkörperchen und die Symptome sind Folge der Blutarmut. Bei der Ehrlichiose ist die Blutgerinnung gestört, so das Blutungen das Leitsymptom darstellen.

Zwei weitere Reisekrankheiten sind die Leishmaniose und die Dirofilariose, die beide durch die Sandmücke übertragen werden.

LEISHMANIOSE
Die Erreger sind einzellige Parasiten, die durch den Stich der Sandmücke übertragen werden. Die geräuschlos fliegende Mücke kommt in Europa südlich des 45.ten Breitengrades vor. In Frankreich und Spanien sind über 65% der Hunde infiziert. Die Hunde erkranken oft erst 18 Monate nach dem Urlaub, so dass man keinen Zusammenhang mehr mi der Reise vermutet. Der Erreger befällt die Haut und die Organe. Vor allem am Kopf, aber auch am Rumpf entstehen Haarausfall (Brillenbildung um die Augen), Schuppen, eitrige, knotige Geschwüre, Wunden, die nicht heilen. Die Lymphknoten schwellen an und die Tiere magern ab.
Ohne Behandlung sterben 90% der Tiere. Das Mittel der Wahl ist Allopurinol, das über viele Monate täglich verabreicht werden muss. Es hemmt die Eiweißsynthese des Erregers. Trotzdem ist meist keine vollständige Heilung zu erzielen. Mit Rezidiven (Rückfällen) ist immer zu rechnen. Man geht davon aus, dass in Deutschland 20 000 infizierte Hunde leben. Allopurinol kann prophylaktisch während der Reisezeit verabreicht werden.

Die Leishmaniose stellt nach Angaben der WHO die drittwichtigste tropische Infektion des Menschen dar. In Europa sind Kinder unter 2 Jahren und Immungeschwächte (AIDSkranke, Patienten mit Cortison-und Chemotherapie) gefährdet. Eine Ansteckung vom Hund ist selten, aber über Hautwunden möglich.

DIROFILARIOSE
Der Erreger Dirofilaria immitis, der Herzwurm, kommt ebenfalls in südlichen Gefilden vor. Seine Larven werden beim Stich der Sandmücke übertragen. Diese bohren sich durch die Haut und wandern durch die Muskulatur in die Blutbahn, bis sie schließlich das Herz erreichen. Dort verstopfen sie die Blutgefäße. Je nach Schwere der Infektion variieren die Symptome von schneller Ermüdbarkeit bis hin zu massiven Herzbeschwerden, Atemnot mit Husten und Ödembildung. Weil bei der Behandlung die Parasiten absterben, besteht die Gefahr der Thrombosenbildung. Melarsamin ist das geeignete Mittel zur Therapie. Die Prognose hängt ab vom Schweregrad der Infektion. Prophylaktisch stehen verschiedene Mittel zur Verfügung, z.B. Ivermectin.

Berücksichtigen Sie diese Krankheiten, wenn Sie eine Reise mit Ihrem Hund in den Süden planen oder einen Vierbeiner aus einem Mittelmeerland adoptieren. Lassen Sie den Neuankömmling auf alle 4 Reisekrankheiten vom Tierarzt testen, um frühzeitig zu helfen.

Die beste Prophylaxe ist die Abwehr der Überträger, also der Zecken und der Sandmücken mit Protectorbändern oder Spot-on Präparaten.

Meiden Sie Spaziergänge während der Hauptflugzeit der Sandmücken (morgens und abends).