Mein Hund hat es im Rücken

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Die Wirbelsäule des Hundes besteht aus 7 Hals-, 13 Brust-, 7 Lenden-, 3 Kreuzbein- und ca 20 Schwanzwirbeln. Die Kreuzwirbel sind zum Kreuzbein verwachsen. Jeder Wirbel besitzt Quer- und Gelenkfortsätze, sowie oben drauf den Dornfortsatz. Dort setzt die Muskulatur an. Zwischen den Wirbeln befinden sich die Bandscheiben. Die Wirbel bilden eine Kette, die den Rückenmarkskanal mit dem Rückenmark umschließt.

Die drei häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule sind der Bandscheibenvorfall, Spondylose und das Cauda equina Syndrom:

Der Bandscheibenvorfall
Das Bandscheibengewebe verändert sich mit zunehmendem Alter. Bei den sog. chondrodystrophischen Rassen (Dackel, Malteser, Pekinese Etc.) entsteht knorpelig-knöchernes Gewebe, das leicht vorfällt. Aber auch große Rassen können betroffen sein. Bei ihnen ist es jedoch nur eine Vorwölbung, und kein kompletter Vorfall. Betroffen ist meist die Lendenwirbelsäule, bei Dobermann, Berner Sennenhund und Dogge auch die Halswirbelsäule. Letzteres ist besonders gefährlich. Durch das vorgefallene Bandscheibenmaterial kommt es zur Quetschung des Rückenmarks. Die Folge sind Lähmungen, bes. der Hinterhand, sowie Inkontinenz. Ein Röntgenbild ist zur Diagnose nötig. Ist eine Operation nötig, bekommt der Hund unter Vollnarkose eine Röntgenuntersuchung mittels Kontrastmittelgabe oder eine Untersuchung im CT. Patienten, die nicht operiert werden müssen, erhalten eine Schmerztherapie und entzündungshemmende Mittel. Trotz der dadurch eintretenden Besserung ist absolute Ruhe angesagt, wenn nötig in einer Box. Die Blase muss täglich 3mal ausgedrückt werden. Der Tierarzt entscheidet, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um eine Physiotherapie zu beginnen.

Spondylose
Hier kommt es Im Bereich der Brust-und Lendenwirbelsäule zur Knochenzubildung an einzelnen Wirbelkörpern. Es entstehen Randzacken, die so groß werden können wie Spangen und dann zwei benachbarte Wirbel wie eine Brücke verbinden. Vornehmlich erkranken große Rassen, besonders der Boxer. Auf dem Röntgenbild sieht so eine Wirbelsäule aus wie eine Bambusstange. Die Hunde haben Schmerzen beim Aufstehen, lahmen hinten. Kommt es zur vollständigen Brückenbildung, lassen die Schmerzen nach und der Rücken wird steif. Im akuten Stadium ist eine Schmerztherapie erforderlich. Auch die Goldakupunktur oder homöopathische Mittel, wie Traumeel und Zeel werden erfolgreich eingesetzt. Hunde mit Spondylose sollen nicht mit anderen toben, denn beim Aufreiten entstehen starke Schmerzen. Ebenso ist auf normales Körpergewicht zu achten. Schwimmen hilft auf schonende Weise Muskulatur aufzubauen und die Wirbelsäule zu entlasten.

Das Cauda equina Syndrom
Im Bereich des Übergangs vom letzten Lendenwirbel zum Kreuzbein kann es zu degenerativen Prozessen kommen. Das Rückenmark ist hier zu Ende, hier liegen Nervenwurzeln, die die Muskeln des Beckens, Schwanzes und vieler Muskeln der Hinterhand versorgen. Betroffen sind hier vorwiegend größere Rassen. Kommt es durch die Umbauvorgänge an den Wirbeln zum Druck auf die Nerven, entstehen folgende Symptome: Der Hund wird lauffaul, schleicht durch die Gegend, will nicht springen oder Treppen steigen. Die Hinterhandmuskulatur bildet sich zurück und Lähmungen können entstehen. Anhand eines CTs oder MRTs wird die Diagnose gesichert. Auch hier werden Schmerzmittel und Cortison eingesetzt. Die Patienten brauchen Ruhe. Operativ gibt es 2 Wege: Man entfernt das kaputte Material, oder man versteift den 7. Lendenwirbel mit dem Kreuzbein. Die Prognose für den Sport- oder Diensthund ist schwer vorauszusagen.

Gottseidank gibt es auch beim Hund harmlose, wenngleich schmerzhafte Rückenleiden. Eine unglückliche Bewegung genügt, um eine Zerrung der Rückenmuskeln hervorzurufen. Sofort und Kurzfristig entzündungshemmende Schmerzmittel einsetzen, damit keine kontraktile Schonhaltung entsteht. Positiv wirkt sich Wärme aus, also Rotlicht oder ein Körnerkissen.