Hundeverhalten in der „Menschenwelt“ – Was ist normal?!

Anni Warfen Aktuelle Themen, Wissenswertes

Die Fragen, die sich uns stellt: Welches Verhalten des Hundes ist normal? Welches Verhalten ist arttypisch?

Zunehmend wird das Verhalten eines Hundes als unangebracht oder gar problematisch gesehen. Doch es ist wichtig im Blick zu behalten, der Hund ist ein Hund und verhält sich in einer menschlichen Umgebung anders als wir Menschen. Meistens ist dieses Verhalten gar nicht so unnormal für den Hund. Hundebesitzer und andere Menschen empfinden sein Verhalten jedoch oft unpassend und nicht richtig. Diese subjektive Bewertung seitens der Menschen bringt den Hund durcheinander. Er kann sein arttypisches Verhalten nicht mit der menschlichen Welt in Einklang bringen. Um das Verhalten eines Hundes richtig zu beurteilen, benötigt der Mensch viel Wissen. Wissen über seinen Hund, seine Bedürfnisse und sein angemessenes Verhalten. Denn um die Frage zu beantworten: Welches Verhalten des Hundes ist normal? Muss zuvor die Frage geklärt werden: Warum verhält sich der Hund in bestimmten Situationen so?

10 Jahre Hundeschule 2 242Jedes Verhalten des Hundes erfüllt eine bestimmte Aufgabe. Kein Auftreten geschieht grundlos. Durch seine Verhaltensweisen möchte der Hund sich Verständigen und von anderen Lebewesen eine Reaktion erhalten. Es kann beispielsweise eine Aufforderung zum Spielen oder eine klare Andeutung zum Abstandhalten sein. Die Verhaltensweisen zu zeigen ist ein Bedürfnisse des Hundes. Jedes Lebewesen benötigt eine Grundversorgung, Sicherheit und möchte sich vor möglichen Schädigungen schützen. Auch der Hundehalter kann für das unerwünschte Verhalten seines Hundes, durch fehlende Kenntnis von Bedürfnissen und Empfindsamkeiten des Hundes, verantwortlich sein. Doch was sind diese Bedürfnisse und wissen wir wirklich alles über unseren Vierbeiner und seine Empfindsamkeiten?

Bedürfnisse gibt es viele, die gedeckt werden wollen. Hierzu zählen besonders die Nahrungsaufnahme, aktive Betätigung und Ruhepausen. Doch auch das Spiel und die Körperpflege sin ein wichtiger Bestandteil. Neben dem Spiel ist auch der Kontakt mit Hund und Mensch enorm wichtig für das Wohlbefinden des Hundes. Doch nicht immer muss der Hund seinen Hundehalter im Rücken haben. es ist wichtig, dass der Hund seine Umgebung mal alleine erkundet. Hunde lernen indem sie Erfahrungen machen und diese verarbeiten. Sie wollen aktiv erforschen und Neues erleben. Zeigt ein Hund auffälliges Verhalten, ist dies ein Anzeichen, dass ein Bedürfnis nicht gedeckt ist. Verhaltensweisen müssen aber immer der jeweiligen Situation entsprechend bewertet werden. Natürlich gibt es auch Verhaltensauffäligkeiten, die nicht natürlich sind, die vor allem durch nicht erfüllte Bedürfnisse zustande kommen. Fehlende Zeit für den Hund oder falsche Behandlung in der Welpenzeit, sind nur zwei Gründe, die zu diesen Verhaltensauffäligkeiten führen können. Es ist wichtig, dass Hunde ein Normalverhalten erlenen. Dabei haben Hunde immer ein biologisches, ein hundetypisches Verhalten, das von Menschen oft falsch interpretiert wird. Daher muss gerade der Mensch lernen, welches Verhalten von seinem Hund normal ist.

Donnerstag 15.08.14 293Beispielsweise muss Aggression gegenüber andern Hunden nicht ein Ausdruck von Fehlverhalten sein. Aggressionen sind vollkommen normal und beobachtet man diese näher, ist zu erkennen wie schnell sich ein Hund danach wieder beruhigt. Der Hund zeigt lediglich an, was ihn in der entsprechenden Situation stört. So wird durch das Knurren lediglich Distanz geschaffen. Genauso sind Aggressionen an der Leine meist durch den Menschen erzeugt. Hier ist der gezwungene Kontakt mit Artgenossen der Auslöser. Der Hund schützt sich lediglich durch Eigeninitiative vor möglichem Schaden. Durch die Leine hat der Hund keine eigene Entscheidung und anstatt eines Zurückweichens schnappt er.

IMG_2801Bleiben wir beim Spazieren gehen, kennen viele die Situation des vorlaufenden Hundes, der sich umschaut. Dieses Vorlaufen ist kein Ausdruck von Dominanz, sondern signalisiert, dass der Hund glücklich ist. An diesem Glück soll auch seine Bezugsperson teilhaben. Der Hund sollte jedoch nie soweit vorlaufen, dass der Kontakt zwischen Hundeführer und Hund verschwindet.

Kopie von aabbxxAuch das bekannte Anspringen ist in keiner Hinsicht ein Dominanzverhalten. Hierbei äußert der Hund lediglich eine Kontaktaufnahme, wie er es schon als Welpe bei seiner Mutter gemacht hat. Wird diese Kontaktaufnahme scharf unterbunden, versteht der Hund die Zurückweisung nicht. Von daher liegt es am Hundeführer, dem Hund Alternativen an zu bieten. Das Anspringen bekommt keine Bedeutung und wird ignoriert. Erst ein ruhiges Hinsetzen mit Blickkontakt wird belohnt. So wird auch das Bedürfnis nach Kontakt befriedigt. Aufforderungen zum Spielen von seitens des Hundes werden oft vom Hundeführer selbst unterbunden. Dabei kann der Anstupser zum Spielen auch ruhig mal von seitens des Hundes kommen. Denn gerade er braucht es, dem Menschen hinterherzulaufen oder vor ihm davon zu rennen. Dies fördert die Bindung von Mensch und Hund und untergräbt die menschliche Autorität in keiner Weise. Wichtig zu wissen ist, dass Ballwerfen kein Spiel ist. Hier befinden wir uns im Beutefangverhalten. Auch das gemeinsame Kuscheln auf dem Sofa ist ein völlig normales Verhalten. Natürlich kann auch anderswo gekuschelt werden.

Auf die Fragen: Welches Verhalten ist normal? Welches Verhalten ist arttypisch? lässt sich antworten:

IMG_2782Das Verhalten unserer Hunde ist in vielerlei Hinsicht differenziert zu dem Verhalten der Menschen und dennoch für sie artgerecht. Wissen wir jedoch mit ihrem Verhalten umzugehen und es zu verstehen und ihnen auch genauso in einigen Situationen zu helfen, vereinfacht sich das gemeinsame Leben enorm. Wir müssen die Bedürfnisse, die sich zu den menschlichen Bedürfnissen unterscheiden, gut kennen. Nur so verstehen wir unseren Hund und sein Verhalten. Und nicht jedes Verhalten ist ein Problemverhalten.