Hilfe, mein Hund säuft (zu viel)

Anni Warfen Aktuelle Themen, Gesundheit, Wissenswertes

Der Durst eines gesunden Hundes hängt von vielen Faktoren ab und variiert deshalb. Die benötigte Wassermenge beträgt zwischen 20 und 70 ml pro kg Körpergewicht am Tag. Ein 20 kg schwerer Hund trinkt demnach zwischen 400 und 1400ml. Dies hängt auch vom Futter ab. Bei Gabe von Trockenfutter steigt der Wasserbedarf, ebenso bei Hitze oder körperlicher Betätigung. Mein finnischer Lapphund trinkt im Winter kaum, da er seinen Flüssigkeitsbedarf mit Schneefressen deckt.

Jeder Hundebesitzer weiß, wie oft die Wasserschüssel neu gefüllt werden muss. Ihm fällt auf, wenn sich der Durst abnorm steigert und der Hund sogar nachts trinkt. Daran gekoppelt ist natürlich häufigeres Gassigehen. Folgend die wichtigsten Krankheiten des Hundes, die mit erhöhter Wasseraufnahme einhergehen:

Diabetes mellitus: Die Zuckerkrankheit ist häufig und tritt meist bei älteren Tieren auf. Dabei sind Hündinnen wesentlich öfter betroffen als Rüden. Neben den klassischen Leitsymptomen, Durst und ständiger Harndrang, fällt auf, dass die Hunde viel fressen und trotzdem abmagern. Der Urintest ist Glukose positiv. Wichtig ist die Bestimmung des Blutzuckerspiegels, der in diesem Fall immer erhöht ist. Die Therapie ist die gleiche wie in der Humanmedizin, also das Spritzen von Insulin. Dies wird vom Besitzer durchgeführt. Es kann einige Zeit dauern, bis der Blutspiegel eingestellt ist, Hierzu entnimmt man ein Tröpfchen Blut aus dem Ohr und misst mit einem speziellen Gerät den Glukosespiegel. Auf keinen Fall darf zu viel Insulin gegeben werden, weil sonst eine lebensgefährliche Unterzuckerung entsteht. Für diesen Fall sollte jeder Besitzer eines zuckerkranken Hundes Honig oder Zucker bei sich führen. Da die Erkrankung mit dem Sexualzyklus der Hündin zusammenhängt, sollte eine Kastration erfolgen. Es gibt Fälle, die dadurch völlig ausheilen.

Cushing Syndrom: Es handelt sich dabei um eine Erkrankung der Nebennieren oder deren übergeordnete Hypophyse im Gehirn. Ausschlaggebend ist, dass die Nebennierenrinde zu viel körpereigenes Cortison produziert. Auch hier sind Hündinnen in der zweiten Lebenshälfte häufiger betroffen, als Rüden. Pudel, Cocker, Terrier, Dackel, Beagle und der Schäferhund neigen mehr dazu, als andere Rassen. Wir wissen, wie Menschen aussehen, die Cortison als Dauermedikament einnehmen. So geht es auch unseren Hunden mit Cushing. Durst, Hängebauch, Muskelschwäche, Stammfettsucht, Fresssucht, Hautprobleme stehen im Vordergrund. Für die Diagnose sind spezielle Labortests nötig. Medikamente stehen zur Verfügung, die die Nebennierenrinde teilweise zerstören oder die chemische Reaktion der Cortisonproduktion hemmen.

Pyometra: Die typische Gebärmutterentzündung der Hündin entsteht durch Einwandern von Bakterien in die Gebärmutter. Wenn sich dann in einem gewissen Zyklusabschnitt der Gebärmutterhals verschließt, entsteht in der Gebärmutter Eiter. Die Hündinnen trinken oft viel, ohne dass das Allgemeinbefinden gestört ist. Aber Vorsicht, die Gifte streuen im Körper und es geht ganz schnell, dass die Hunde schwerst krank werden. Besonders die Nieren sind gefährdet. Meist hilft die Operation, selten wird hormonell behandelt. Die Pyometra kann auch durch Hormontherapien zum Trächtigkeitsabbruch oder zur Läufigkeitsunterdrückung entstehen.

Nierenerkrankungen: Auch diese gehen mit Durst einher. Anders als beim Zucker fehlt der Appetit und die Hunde magern ab. Betroffen sind beide Geschlechter. Eine Blutprobe gibt Aufschluss und je nach der Erkrankung, richtet sich die Therapie.

Diabetes Insipidus: Bei dieser eher seltenen Erkrankung  fehlt das Hormon, das die Flüssigkeit des Urins in den Nieren teilweise zurückresorbiert.  So geht dem Körper Waser verloren. Die Hunde trinken sehr viel und müssen immerzu Gassi gehen. Auch hier erfolgt die Diagnose mit Labortests und die Behandlung mit Medikamenten.

Also, wenn der Hund säuft (zu viel), sofort den Tierarzt aufsuchen.