Erste Hilfe beim Hund

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Um einen Notfall zu erkennen, hier zunächst die physiologischen Daten des Hundes, nämlich Puls, Atmung und die Körpertemperatur. Je kleiner die Hunderasse, desto höher sind die Werte. Die Pulsfrequenz variiert von 80 -120 Schlägen, die Atemfrequenz beträgt 20-30, die Körpertemperatur schwankt zwischen 37,5 – 38,5 Grad. Je jünger der Hund ist, desto höher sind die Werte. Den Puls kann man an der Innenseite des Oberschenkels an der Arteria femoralis deutlich fühlen. Die Atemzüge werden durch Beobachtung des Brustkorbes gezählt und die Temperatur rektal gemessen.

Die wichtigsten Notfälle:

Autounfall: Selbst wenn der Hund ohne Frakturen davonkommt, rate ich immer dazu den Tierarzt aufzusuchen, da innere Verletzungen, wie Blasen-, Milz-, oder Lungenrisse vorkommen.

Wunden: Zunächst versucht man die Blutung durch einen Druckverband zu stillen. Dies funktioniert an den Gliedmaßen wunderbar, aber nicht bei flächigen Wunden am Rumpf. Gleichmäßiger Druck mit einem Gazetupfer stoppt dort kleinere Blutungen. Am Bein kann man oberhalb der Wunde einen Stauschlauch oder ähnliches anlegen. Anschließend sofort zum Tierarzt, da der Stau nicht lange liegen darf. Wenn die Blutung steht, muss die Wunde gereinigt werden, am besten mit 3% Wasserstoffperoxidlösung. Bei Bisswunden, auch bei kleinen, sollte immer ein Antibiotikum vom Tierarzt appliziert werden, weil sie leicht eitern.

Insektenstiche: Wenn möglich den Stachel mit einer Pinzette entfernen und die Stelle kühlen, indem man einen Kühlakku in ein Handtuch wickelt und auflegt. Manche Hunde reagieren allergisch. Dabei schwillt der Kopf massiv an. In diesem Fall, sowie bei Stichen im Rachenbereich sofort den Tierarzt aufsuchen, denn es droht Erstickungsgefahr.

Schlangenbiss: Am häufigsten kommen Kreuzotterbisse vor. Der Hund schreit auf, lahmt, zittert. Die Symptome hängen von der Bißstelle ab. Auf keinen Fall die Gliedmaße abbinden. Diese Methode wird heute nicht mehr durchgeführt. Wenn möglich, das Bein schienen und den Hund ruhig halten, am besten tragen. Dann sollte sofort tierärztliche Hilfe erfolgen.

Hitzschlag: Dazu kommt es im Auto bei sommerlichen Temperaturen. Der Hund beginnt zu hecheln und verliert dadurch viel Wasser. Die Temperatur steigt auf über 40 Grad. Es kann sehr schnell zum Schock kommen. Das Tier muss an einen kühlen Ort gebracht werden und mit nassen Tüchern gekühlt werden. Lauwarmes Wasser anbieten.

Vergiftung: Ganz wichtig ist, die Verpackung des gefressenen Giftes zu finden, damit der Tierarzt ein geeignetes Gegengift applizieren kann. Was man immer geben kann, ist Aktivkohle als Granulat (Apotheke). Man gibt davon 1-5g pro kg Körpergewicht, mehrmals alle 2 Stunden. Trotzdem den Tierarzt aufsuchen!

Fremdkörper im Maul: Dazu muss der Fang geöffnet werden. Das geht ganz gut mit einem Stück Verbandsmaterial. Eine Schlaufe um den Oberkiefer, die andere um den Unterkiefer, ziehen und den Fang öffnen. Die zweite Person kann dann mit Hilfe einer Taschenlampe den Fremdkörper entfernen. Meist sind es Stöckchen, die im Kiefer klemmen. Die all so beliebten Markknochen schieben sich leicht um den Unterkiefer hinter die Eckzähne oder über die Zunge. Dann ist der Tierarzt gefragt.

Verbrennung, Verbrühung: Wer kennt das nicht. Frauchen kocht, und Hund sitzt in der Küche und bettelt. Der Topf schwappt über und unser Hund verbrüht sich. Wenn es nur eine kleine Stelle ist, lange unter fließendem Wasser kühlen, anschließend mit steriler Gaze trocken tupfen. In schweren Fällen ist ärztliche Hilfe nötig.

MAGENDREHUNG: Hier ist erste Hilfe nicht gefragt, aber eine schnelle Diagnose. Plötzliche Atemnot, Aufblähen, Unruhe, Versuch zu erbrechen. Oft kurz nach dem Füttern, vorzugsweise bei großwüchsigen Rassen. SOFORT in eine Praxis oder Klinik, die für diese Operation gerüstet ist. Jede Minute zählt.

Der erste Hilfekoffer: Taschenlampe, Schere, Pinzette, Verbandsmaterial incl. Polsterwatte, Aktivkohle,3% Wasserstoffperoxidlsg.,Kühlakku im Kühlschrank, Zeckenzange, sterile Gaze.