Einen Schritt nach vorn und drei zurück

Anni Warfen Aktuelle Themen, Erziehung und Ausbildung

Nicht jeder Mensch, und auch jedes Tier, ist täglich zu Höchstleistungen fähig. Bei der Arbeit mit dem Hund muss man sich jeden Tag aufs Neue auf seinen Partner einstellen. Wie ist er heute drauf und wie geht es mir selbst? Wie klappt es heute mit der Kommunikation?

Wir haben gelernt, der Hund soll Spaß bei der Arbeit und beim Lernen haben, wir selbst sollten flexibel und einfallsreich sein und vor allem ruhig bleiben. Aber genau das fällt uns als Menschen besonders schwer. Gerade, wenn man in einer Phase ist, in der es stetig weitergeht und plötzlich nichts mehr funktioniert. Oder wir stellen im Laufe einer Übung fest, dass sich Fehler eingeschlichen haben. Natürlich können wir mit dem Korrekturwort arbeiten, manchmal klappt das auch, und der Hund erinnert sich wieder.

 

Mal müssen wir korrigieren und korrigieren, bis uns der Kragen platzt oder unsere Vierbeiner die Arbeit ganz einstellt.enn wir mit unseren Hunden arbeiten, möchten wir lernen, und es soll auch vorangehen. Aber hattet ihr Situationen, in denen ihr denkt, dass der Vierbeiner das doch eigentlich konnte, aber alles vergessen hat? Dass selbst einfachste Übungen einfach nicht gelingen wollen? In solchen Momenten sind wir als Hundeführer gefragt.

So weit sollte es aber garnicht erst kommen. Während des Trainings müssen wir unsere Hunde “lesen”. Ist er heute zu abgelenkt? Bringt ihn irgendetwas auf dem Platz durcheinander? Bin ich selbst nicht klar genug gewesen? Ist der Hund heute zu motiviert oder überhaupt nicht?

 

Das Allerschwierigste dabei ist es für uns Menschen, sich in solchen Momenten zu sagen, dass gerade diese Übung heute nicht klappt. Um den Hund nicht zu frustrieren, und mich selbst natürlich auch, müssen wir dementsprechend reagieren. Manchmal müssen wir unsere Vierbeiner auch erst auf “Betriebstemperatur” bringen.

 

Meist ist es ja so, dass wir, wenn wir mit den Hunden arbeiten wollen, einen Plan haben, was genau geübt werden soll. Und genau da liegt das Problem. Oft fehlen Ideen zur Korrektur, zur Motivation oder zur Abwandlung der Übung. Im Unterricht übernimmt das der Trainer, aber was mache ich, wenn ich mit dem Hund zuhause arbeite?

 

Wichtig ist es, zu erkennen, was genau nicht klappt. Ist dieser Teil der Übung vielleicht noch nicht gefestigt genug? Der zweite Schritt sollte ja nie vor dem ersten gemacht werden, also müssen wir manchmal ganz zum Anfang zurück.
Ein Beispiel: Wir möchten mit unserem Hund das “zu mir” üben, stellen aber fest, dass er nicht einmal bleiben kann, ständig aufsteht oder die Position wechselt. Bevor wir mit unserem Vierbeiner in Streit geraten, gehen wir also drei Schritte zurück und trainieren erst einmal das Bleiben in der vorgegebenen Positionierung. Das Vorrufen sparen wir uns gegebenenfalls ganz…

 

Das grundsätzlich Problem liegt also bei uns Hundeführern, wenn wir merken, dass der Hund nicht die gewohnte Leistung erbringt, aus welchen Gründen auch immer. Dies kann auch alters- oder krankheitsbedingt der Fall sein.

Deshalb, es ist überhaupt nicht schlimm, wenn wir auch einmal Rückschritte in Kauf nehmen müssen, wir sollten uns nur darauf einlassen. Schliesslich arbeiten wir mit lebenden Wesen, und die funktionieren nicht jeden Tag gleich. Und mal ehrlich… es wäre doch langweilig, wenn es so wäre, oder?