Die wichtigsten Hautkrankheiten des Hundes – Teil II: Nichtinfektiöse Hautkrankheiten

Anni Warfen Aktuelle Themen, Gesundheit

1. Hormonelle Ursachen
Diese entstehen, wenn Organe zu viel oder zu wenig Hormone produzieren. Oft ist allen diesen gemeinsam, das der Haarausfall symmetrisch auftritt, etwa beidseitig in den Flanken oder links und rechts auf dem Rücken. Die Haut lagert häufig Pigmente ein und verfärbt sich dadurch dunkel bis schwarz. Auch diese Veränderungen sind meist symmetrisch. Der Verlauf ist chronisch. Beim Cushing Syndrom produziert die Nebenniere zu viel körpereigenes Cortison. Das Gleiche geschieht, wenn im Rahmen einer tierärztlichen Behandlung zu viel Cortison verabreicht wird. Die Hunde haben übermäßigen Durst und Hunger und werden dick. Ständig müssen sie Wasserlassen. Die Haare gehen aus und die Haut wird dünn, wie es auch beim Menschen der Fall ist. Wunden heilen sehr schlecht, weil Cortison die Wundheilung verzögert. Da die Ursache des Cushing Syndroms sehr vielfältig sind, richtet sich die Therapie nach dem zu Grunde liegendem Leiden. Das Haarkleid wächst nach einiger Zeit wieder, kann aber wesentlich dunkler werden. Wenn zu viel Östrogen, das weibliche Geschlechtshormon, produziert wird, spiegelt sich dies auch auf der Haut wieder, Dies passiert, wenn die Hündinnen Eierstockszysten oder Tumore an den Eierstöcken haben. Fettige Schuppen besonders am Bauch und Haarausfall am ´Po´sind typisch. Außerdem sind die Zitzen und die Schamlippen vergrößert. Trotz operativer Entfernung der Eierstöcke bilden sich die Veränderungen nicht vollständig zurück. Beim Rüden gibt es den so genannten Sertolizelltumor an den Hoden, der ebenfalls Östrogene bildet. Außer dass der Rüde feminin wird und für Geschlechtsgenossen attraktiv, ähneln die Hautveränderungen denen der Hündin. Die Unterfunktion der Schilddrüse macht Haarausfall und Dunkelfärbung der Haut, meist symmetrisch. Das Haarkleid wirkt schütter und zerrupft. Zur Behandlung wird das Schilddrüsenhormon Thyroxin ersetzt. Ca. nach 4 Wochen erholen sich Haut und Fell.

Die Welpenpyodermie betrifft Junghunde im ersten Lebensjahr. Sie bekommen Pusteln am Bauch und in den Achselhöhlen. Juckreiz kann vorhanden sein. Meist reicht das Waschen mit einem desinfizierenden Shampoon aus. Diese eitrige Entzündung kann auch bei erwachsenen Hunden an anderen Körperstellen auftreten. Die Hautfaltenentzündung im Gesicht bei kurzköpfigen Rassen, wie Pekinesen oder der Lippenfalten beim Cocker Spaniel sind eitrig-stinkende Entzündungen. Die Therapie ist schwierig, weil meistens Rezidive entstehen. Wenn die Falten chirurgisch entfernt werden, ist die Prognose besser. Im Sommer bei schwülem Wetter gibt es besonders bei langhaarigen Hunden das Sommerekzem, oder Hot Spot. Winzigste Verletzungen, z.B. ein Zeckenbiss oder eine Läsion durch Bürsten lösen heftigen Juckreiz aus. Blitzschnell entstehen kreisrunde, haarlose, eitrig-nässende Ekzeme, die sehr schmerzhaft sind. Die Stellen müssen geschoren und mit einer milden Seife gewaschen und desinfiziert werden. Trocknen mit dem lauwarmen Fön! Ganz wichtig ist ein Halskragen. Eventuell kann man ein paar Tage Prednisolon (Cortison) verabreichen. Das Sommerekzem heilt gut ab, die Behandlung muss aber früh erfolgen, weil es sich durch das Belecken sehr schnell ausbreitet.

2. Allergien
Am bekanntesten ist wohl das Nesselfieber. Innerhalb weniger Minuten bilden sich Quaddeln am Kopf, aber auch am Rumpf. Der Kopf kann stark anschwellen (Löwenkopf). Gefährlich wird es, wenn der Kehlkopf anschwillt und Atemnot auftritt. Auslöser sind oft Insektenstiche, Medikamente oder Futterinhaltsstoffe. In diesem Fall ist das Wichtigste ,das Allergen zu Entfernen und den Hund mit Cortison zu behandeln. Die Wirkung tritt meist schon nach Stunden ein. Bei einer Futtermittelallergie, die Juckreiz hervorruft , hilft nur Diät. Am besten greift man hierzu auf ein handelsübliches Diätfutter zurück.

Die Atopie ist ebenfalls eine allergische Reaktion. Man spricht von einer schwer oder nicht fassbaren Krankheit, die erst nach dem ersten Lebensjahr auftritt. Die Hunde leiden unter Juckreiz. Sekundär entstehen Entzündungen durch heftiges Kratzen. Meist sind der Kopf und die Pfoten betroffen, aber auch die Achselhöhlen oder der der ganze Körper. Hausstaubmilben oder Pollen und vieles andere kommen als Allergen in Frage. Im Gegensatz zum Menschen bekommt der Hund dabei kein Asthma. Das Allergen zu vermeiden ist oft nicht möglich. Neben der Hyposensibilisierung und der Cortisontherapie wird heute erfolgreich Ciclosporin eingesetzt. Dieses hemmt die überschießende Immunreaktion auf das Allergen. Nachteil daran ist der hohe Preis.