Die wichtigsten Hautkrankheiten des Hundes – Teil I: Hautinfektionen

Anni Warfen Aktuelle Themen, Gesundheit

1. Bakterien
Die gesunde Hautoberfläche wird von verschiedenen Bakterien besiedelt. Wird diese Flora gestört, durch kleinste Verletzungen oder etwa zu häufiges Baden, dann kann eine eitrige Hautentzündung entstehen: Pyodermie. Meistens handelt es sich bei den Keimen um Staphylokokken. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Da diese Keime oft resistent sind, sollte der Tierarzt vor der Behandlung einen Resistenztest durchführen. Die Pyodermie tritt in verschiedenen Formen auf.

Die Welpenpyodermie betrifft Junghunde im ersten Lebensjahr. Sie bekommen Pusteln am Bauch und in den Achselhöhlen. Juckreiz kann vorhanden sein. Meist reicht das Waschen mit einem desinfizierenden Shampoon aus. Diese eitrige Entzündung kann auch bei erwachsenen Hunden an anderen Körperstellen auftreten. Die Hautfaltenentzündung im Gesicht bei kurzköpfigen Rassen, wie Pekinesen oder der Lippenfalten beim Cocker Spaniel sind eitrig-stinkende Entzündungen. Die Therapie ist schwierig, weil meistens Rezidive entstehen. Wenn die Falten chirurgisch entfernt werden, ist die Prognose besser. Im Sommer bei schwülem Wetter gibt es besonders bei langhaarigen Hunden das Sommerekzem, oder Hot Spot. Winzigste Verletzungen, z.B. ein Zeckenbiss oder eine Läsion durch Bürsten lösen heftigen Juckreiz aus. Blitzschnell entstehen kreisrunde, haarlose, eitrig-nässende Ekzeme, die sehr schmerzhaft sind. Die Stellen müssen geschoren und mit einer milden Seife gewaschen und desinfiziert werden. Trocknen mit dem lauwarmen Fön! Ganz wichtig ist ein Halskragen. Eventuell kann man ein paar Tage Prednisolon (Cortison) verabreichen. Das Sommerekzem heilt gut ab, die Behandlung muss aber früh erfolgen, weil es sich durch das Belecken sehr schnell ausbreitet.

2. Pilze
Die häufigsten Hautpilzerkrankungen sind die Trichophytie und die Mikrosporie. Immunschwache Hunde, wie junge oder abgemagerte, Wurmbefallene Tiere stecken sich besonders leicht an. Schwüles Wetter fördert die Infektion. Typisch sind kreisrunde, haarlose Stellen, die gerötet sind. Es besteht leichter Juckreiz. Durch das Abscheren des Fells werden die Pilzsporen, die an den Haaren kleben, entfernt. Die Haut muss mit Chlorhexidin gewaschen werden und mit z.B. Enilconazol- Lösung über einen Zeitraum bis zu 2 Monaten behandelt werden. Da sich der Mensch anstecken kann ( Zoonose) und die Pilze über ein Jahr infektiös bleiben, muss die Umgebung ( Körbchen etc.) häufig desinfiziert werden.

Malassezien sind Hefepilze, die normal auf der Haut und im Gehörgang vorkommen. Besonders durch chronische Gehörgangsentzündungen können sie sich stark vermehren. Es entsteht ein Ekzem mit Krusten , Knötchen, Juckreiz. Auch die Analdrüse kann betroffen sein. Zusätzlich zu obiger Pilzbehandlung, muss oft Ketoconazol über mehrere Wochen eingenommen werden.

3. Parasiten
Läuse und Haarlinge rufen starken Juckreiz hervor. Durch das Kratzen entstehen die Hautveränderungen. Die Eier kleben an den Haaren. Ein gut wirksames Mittel ist Fipronil als Spot-on. Flöhe hinterlassen Flohkot, den man mit dem Flohkamm heraus kämmt. Auf einem feuchten Papier bildet sich ein roter Fleck vom gesaugten Blut. Die Hautveränderungen entstehen auch durch das Kratzen des Hundes. Wirksame Flohmittel sind reichlich auf dem Markt, Ihr Tierarzt wird Sie beraten. Ein Flohweibchen legt 2000 Eier in der Umgebung des Hundes ab, so dass es zu Neuinfektionen kommt. Deshalb muss auch die Umgebung flohfrei gemacht werden. Auch hier berät Sie der Tierarzt. Flöhe übertragen, wenn der Hund den Floh zerbeißt, den Hundebandwurm!

Die Räude wird durch die Sarkoptesmilbe hervorgerufen. Die Erkrankung ist hochansteckend. Erkrankte Tiere sehen aus wie von Motten zerfressen und leiden unter enormen Juckreiz. Alle Hunde, die zusammen leben, müssen behandelt werden, weil es auch stille Träger gibt. Fipronil (Frontline) oder Selamectin (Stronghold) wirken gut. Beim Menschen Spontanheilung!

Die Demodikose ist eine Erkrankung immunschwacher Hunde. Die Demodexmilbe lebt in den Haarfollikeln und Talgdrüsen der Haut und vermehrt sich bei geschwächten Tieren. Die Hunde bekommen Haarausfall und zu den Milben gesellen sich Eitererreger, so dass schwere Pyodermien entstehen. Die Therapie einer den ganzen Körper betreffenden Demodikose ist schwierig und sehr langwierig. Wirksam ist Amitraz und Milbemycin, das eigentlich gegen den Herzwurm eingesetzt wird. Auf keinen Fall Cortison, weil es das Immunsystem schwächt, aber Antibiotika, wegen der Pyodermie. Betroffene Tiere sollen von der Zucht ausgeschlossen werden, weil die Welpen wieder erkranken.