Die ständige Selbstbeherrschung für Mensch und Hund in der Erziehung

Anni Warfen Aktuelle Themen, Erziehung und Ausbildung

Ihr kennt das sicherlich alle, wenn euer Trainer während der Übungsstunden ständig sagt: “Hörzeichen gleichbleibend, nicht lauter werden!” oder “Bleib groß, nicht vor dem Hund verbeugen”, “Wir müssen nicht in ganzen Sätzen mit dem Hund sprechen” und so weiter, und so weiter… Eigentlich wisst ihr das theoretisch alle, nur diese Umsetzung – es kommt einfach so raus, ohne dass man großartig darüber nachdenkt.  Das bedeutet für uns, vor dem Handeln genau überlegen, nachdenken, und kontrollieren – eben Selbstkontrolle.

So ein Verhalten gibt es auch bei unserem Vierbeiner, d. h. Handeln, ohne viel darüber nachzudenken. Fallen euch Situationen ein? Der Hund sieht z. B. einen Ball kullern, ein Blatt weht im Wind, ein Hase hoppelt über das Feld. Was macht unser Vierbeiner? Jagt hinterher… Und wie war das noch? Hatte der Trainer nicht gesagt, dass wir genau das verhindern sollten?

Hierbei sprechen wir von der sogenannten Impulskontrolle. Aber was bedeutet das? Verhaltensbiologen erklären sie wie folgt:

Impulskontrolle ist die Hemmung des inneren Handlungsantriebs. Eine Impulshand- lung ist eine Affekthandlung, die sich zusammensetzt aus der Stärke des Antriebs und der Fähigkeit zur Kontrolle derselben. Sie wird ohne besonderes Abwägen und Überlegen ausgeführt.
Was passiert dabei in unserem Vierbeiner? Das antriebssteigernde System und das Wohlfühlsystem spielen hierbei eine wichtige Rolle. Wenn etwas Spannendes oder auch Neues passiert, schütten die Nervenzellen DOPAMIN aus. Die Erregung wird umgesetzt, es erfolgt eine Körperreaktion, das bedeutet, der Hund sieht das Blatt im Wind wehen und läuft hinterher. Nach dieser Dopaminausschüttung ist es wichtig, dass das Gehirn wieder zur Ruhe und ins Gleichgewicht kommt, damit der Hund in der Lage ist, konzentriert zu arbeiten und sich auch wohl zu fühlen. Das erledigt das SEROTONIN. Es verhindert zudem noch ständigen, krank machenden Streß.

Was soll jetzt diese Impulskontrolle?
Alle Lebewesen müssen sich anpassen, um überleben zu können.  Das klappt aber nur, wenn sie in der Lage sind, sich zurückzunehmen und die Folgen ihrer Hand- lungen einschätzen können. Unser Vierbeiner sollte sich in unseren Alltag integrie-ren lassen und muss sich noch mehr anpassen, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden.

Was also tun?
Der Hund sollte an Umwelt- und Alltagsreize gewöhnt werden. Eine wichtige Übung ist hierbei auch das BLEIBEN, aber auch alle Übungen, bei denen sich der Hund zurücknehmen muss. Voraussetzung ist immer, dass das Warten und das Sich-zurücknehmen immer vom Hund ausgeht. Denkt dabei z. B. an die allgemein beliebte Futterübung. Ein Mensch hält eurem Hund eine Handvoll Futter unter die Nase. Bekommt der Hund einen “langen Hals”, geht die Hand mit dem Futter zu. Erst arbeitet ihr noch mit einem Korrekturwort, aber im Verlauf der Übung merkt ihr, dass der Hund später neben euch sitzt, zu euch hochschaut und die Hand mit dem Futter völlig ignoriert.

Das ist nur ein Beispiel, es gibt noch viele Übungen zur Impulskontrolle, in diesem Sinne – viel Spaß beim Üben.