Die aktuellen Impfungen des Hundes – Teil 2: Staupe, HCC, Parvovirose, Leptospirose, Zwingerhusten

Anni Warfen Aktuelle Themen, Gesundheit

STAUPE:
Es handelt sich um eine Viruserkrankung der Hunde und anderer Fleischfresser, wie auch des Frettchens. Der Erreger ist eng verwandt mit dem Masernvirus des Menschen.
Die Übertragung kann über das Maul oder aber die Nase erfolgen. Nach einer Inkubationszeit von 3-6 Tagen treten leichte Allgemeinstörungen, wie Mattigkeit, Fieber und Appetitlosigkeit auf. Dann folgt ein fieberfreies Intervall von ca. 7 Tagen. Erst dann entsteht die `katarrhalische Form` der Staupe, die den Atem- und Verdauungstrakt betrifft. Die Symptome sind Mandelentzündung, Husten, Lungenentzündung, Erbrechen und Durchfall. Anschließend oder Jahre später kann sich die `nervöse Form` entwickeln, die sich als Hirn- und Hirnhautentzündung äußert.
Hard pad disease: Hartballenkrankheit, das ist eine starke Verhornung der Ballen, die als Spätfolge der Staupe auftreten kann.
Staupegebiss: Wenn der Hund im Zahnwechsel erkrankt, bilden sich deutlich sichtbare Zahnschmelzdefekte.
Die Prognose muss sehr vorsichtig gestellt werden, da es kein Viruswirksames Mittel gibt. Bei der Staupe der Robben handelt es sich übrigens um ein eng verwandtes Virus. Ein Zusammenhang zwischen multipler Sklerose des Menschen und Staupe, wie er vermutet wurde, besteht nicht.
HCC:
Die ansteckende Leberentzündung des Hundes ( Hepatitis Contagiosa Canis) ist eine Viruserkrankung, die durch konsequentes Impfen in Westeuropa fast verschwunden ist. Eine Komponente im Impfstoff gegen Zwingerhusten ist ebenfalls gegen HCC wirksam. Es handelt sich um eine sogenannte Kreuzimmunität.
An HCC erkrankte Hunde leiden unter Fieber, Durst, Erbrechen, Schmerzen im Vorderbauch und Gelbsucht. Bei chronischem Verlauf kann eine Leberfribose entstehen.
Je akuter der Verlauf der Erkrankung ist, desto schlechter ist die Prognose. Obwohl man im Menschen Antikörper gegen HCC gefunden hat, ist die Bedeutung dessen unbekannt.
PARVOVIROSE:
Die Erkrankung ist 1978 das erste Mal aufgetreten. Das Hundeparvovirus ist aus dem Katzenparvovirus entstanden und beide sind eng verwandt. Eine Infektion bis zum 6.ten Lebensmonat verläuft oft tödlich. Unter 4 Wochen alte Welpen sterben an Herzmuskelschäden (plötzliches Welpensterben). Dobermänner, Rottweiler und Schäferhunde sollen empfänglicher sein. Dies hängt mit einem besonderen Immunstatus zusammen.
Nach 4-7 Tagen Inkubationszeit kommt es zu Erbrechen und starkem Durchfall, der häufig blutig ist. Wenn das Tier den 5.ten Tag überstanden hat, steigt die Chance zu überleben.
Welpen sind besonders gefährdet, wenn sie nicht genügend Antikörper durch die Muttermilch aufnehmen. Das ist leider häufig der Fall bei Massenzuchten im Osten, wo nicht oder nicht regelmäßig geimpft wird. Wenn die Mutterhündin vor dem Deckakt geimpft wird, enthält die Kolostralmilch genügend Antikörper, die dann aber in den ersten Lebenswochen abgebaut werden. Deshalb wird der Welpe dann geimpft.
Die Parvovirose spielt für den Menschen keine Rolle. Interessant ist, dass das neue Parvovirus Hunde und Katzen infizieren kann, so dass sich Hunde bei Katzen anstecken können.
LEPTOSPIROSE:
Die auch Stuttgarter Hundeseuche genannte Krankheit wird nicht durch Viren, sondern durch schraubenförmige Bakterien hervorgerufen. Sie leben in Wildtieren und werden mit dem Urin ausgeschieden. So können sie besonders stehende oder langsam fließende Gewässer verunreinigen. Hunde infizieren sich unter anderem beim Trinken oder Baden aus diesen Gewässern. Die Hauptsymptome spielen sich in der Leber und den Nieren ab. Leberentzündung mit Gelbsucht und Nierenversagen können die Folge sein.
In den ersten 14 Tagen kann man die Ausbreitung des Erregers im Körper mit Penicillin oder Amoxicillin verhindern. Sobald die Leberwerte in Ordnung sind, wird mit Doxycyclin weiter behandelt. Die Überlebenschance beträgt ca. 50%.
Der Mensch erkrankt ebenfalls an Leptospirose. In feucht-warmen Gebieten beim Arbeiten in Gewässern droht besondere Gefahr.
ZWINGERHUSTEN:
Zwingerhusten ist eine hochansteckende Krankheit der Atemwege. An der Entstehung sind mehrere Erreger, Viren und Bakterien, beteiligt. Zunächst zerstören die Viren die Schutzschicht der Bronchien, so dass die Bakterien ungehindert eindringen können. Betroffen sind vor allem Hunde in Tierheimen, auf Massenveranstaltungen oder in großen Zwingern. Der Höhepunkt der Erkrankung ist oft in der Ferienzeit zu finden, wenn viele Hunde Tierpensionen besuchen oder verreisen und die Infektion mitbringen.
Die kranken Hunde haben im typischen Fall trockene Hustenanfälle, die meist nach 14 Tagen abklingen. Wenn sich Bakterien dazu gesellen, wird der Verlauf kompliziert und der Tierarzt setzt dann ein Antibiotikum ein.
Übrigens kann der Mensch Influenzaviren auf den Hund übertragen, die am Zwingerhusten beteiligt sind.
Impfschema:

GRUNDIMMUNISIERUNG:

Im Alter von 8 Lebenswochen:
Staupe, HCC, Parvo-und Leptospirose, Zwingerhusten

12 Lebenswochen:
Staupe, Hcc, Parvo-und Leptospirose, Zwingerhusten und Tollwut

16 Lebenswochen:
Staupe, HCC, Parvovirose und Tollwut (diese Impfung wird empfohlen, aber gesetzlich nicht gefordert).

15 Lebensmonaten:
Staupe, HCC, Parvo-und Leptospirose, Zwingerhusten und Tollwut

WIEDERHOLUNGSIMPFUNGEN:

Ab dem 2. Lebensjahr:
Staupe, HCC und Parvovirose in dreijährigem Rhythmus. Tollwut, je nach Packungsbeilage des Herstellers nach der Tollwut-Verordnung von 2005, also dreijähriger Rhythmus möglich,
Leptospirose und Zwingerhusten jährlich.