Der Hund im Home-Office

Wilma Warfen Aktuelle Themen, Erziehung und Ausbildung, Interessantes, Wissenswertes

Als die Corona-Pandemie ausbrach, hieß es für viele von uns: ab jetzt wird aus dem Home-Office gearbeitet. Für einige hat sich damit auch eine neue Arbeitskultur etabliert, die auch nach Corona noch anhalten wird. Gerade für uns Hundebesitzer ist das Arbeiten von Zuhause aus ein Glücksgriff, denn so fallen lange Arbeitswege weg, morgens ist mehr Zeit für den Spaziergang  und der Hund kann auch in der Mittagspause mal raus. Doch damit auch unser Hund mit der neuen Situation zurechtkommt und bei der Umgewöhnung nicht überfordert wird, wenn wir dann nicht mehr oder weniger von zu Hause aus arbeiten, sollten wir einiges bei Hunden im Home-Office beachten.

Unsere Hunde sind es von ihren berufstätigen Besitzer*innen gewöhnt, dass morgens ein recht schneller Spaziergang absolviert wird  und dann heißt es erstmal: auf die Besitzer*innen warten. Die düsen mit dem Auto davon und müssen zur Arbeit. Doch Corona hat einiges verändert und auf einmal hocken die Menschen den ganzen Tag daheim rum. Was für ein Segen denken nun viele Hundebesiter*innen. Der Hund hat den ganzen Tag sein Rudel um sich und muss nicht warten. Doch plötzlich können die Leute zurück in die Büros und auch die Schulen öffnen wieder und  von einem auf den anderen Tag verliert der Hund seinen neu gewonnen Alltag und ist wieder allein. Nicht alle Hunde kommen mit so einer extremen Umstellung klar. Daher heißt es, auch im Home- Office gibt es klare Regeln für den Hund.

Zuallererst sollte geschaut werden, wann der Hund eigentlich immer allein zu Hause ist. Meist ist dies am Vormittag. damit der Hund diesen Rhythmus auch weiterhin beibehält, sollte der Hund zum Arbeitsbeginn nicht bei seinem Menschen liegen. Er sollte die ersten zwei- drei Stunden auf seinem gewohnten Platz verbringen oder in seiner Box, wo er ungestört und alleine ist. Damit er sich nicht immer wieder zum Menschen schleicht, sollte die Tür, des Raums in dem er liegt, verschlossen sein. So ist für den Hund klar, zwar ist der Mensch gerade zu Hause aber der Vierbeiner hat nun Ruhezeit und verbringt diese wie gewohnt allein. Hat der Hund, wenn er alleine ist, eigentlich das gesamte Haus oder die gesamte Wohnung zur Verfügung, sollte dies langsam eingegrenzt werden. Dies ist auch abgesehen von Corona für den Hund entspannter. So muss er nicht auf das gesamte Haus aufpassen, sondern konzentriert sich lediglich auf seinen kleinen Bereich, der ihn zur Verfügung steht. Für den Vierbeiner ist dies wesentlich stressfreier. Zu Beginn kann der Hund auch einen leckeren Kauartikel erhalten, wenn er alleine ist. Dies sollte aber irgendwann wieder abgebaut werden und der Hund erhält nur noch ab und zu einen.

Sollte die Home- Office Zeit irgendwann wieder runtergefahren werden, ist es für den Hund keine starke Umstellung, wenn er plötzlich wieder öfter alleine ist zu den Arbeitszeiten. Die Zeitspanne, die er alleine verbringt, sollte immer mal wieder variiert werden. Mal sind es zweit Stunden, mal sind es drei oder ab und zu sogar nur eine ¾ Stunde. Das bedeutet aber auch, dass dem Hund in dieser Zeit keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, weder beim Kaffee holen, Beine vertreten oder Telefonieren. Die Ruhezeit ist auch eine komplette Pause vom Menschen.

Wird der Hund dann mit an den Arbeitsplatz geholt, sollte er auch dort eine Aufgabe haben. Dazu eignet sich hervorragend die Deckenübung. Der Hund verweilt auf seiner Decke und wartet, bis der Mensch fertig ist. Wichtig ist natürlich auch, dass der Hund uns nicht zu sehr von der Arbeit abhält. Zu große und schwere Übungen während der Arbeitszeit  nehmen zu viel Zeit in Anspruch, gerade, da dabei noch Fehler passieren und auch Korrekturen durchgeführt werden müssen, bis es richtig klappt. Daher lieber kleine Übungen, die für den Hund genauso intensiv sind.
Die Decke kann für die Deckenübung immer wieder an einen anderen Platz gelegt werden, um so das Bild des Hundes immer wieder zu verändern. 

Die Mittagspause kann dann nochmal für eine schöne Trainingseinheit genutzt werden. Sie sollte immer wieder abwechslungsreich gestaltet sein. Mal ein langer Spaziergang mit Spieleinlagen, mal Drum-herum Übungen im Garten und dann wird wieder ein Erlebnisnparcour  aufgebaut. Nach den langen Ruhephasen ist ein wenig Aktivierung  für den Hund wichtig. Natürlich muss er auch bei der Deckenübung seinen Kopf anstrengen, doch auch die Bewegung sollte nicht zu kurz kommen. Gleichzeitig gestallten auch wir so unsere Mittagspause aktiver und beugen Fehlhaltungen vom langen Sitzen dem Konditionsabbau durch zu wenig Bewegung aktiv vor. 30 min intensives Training (je nach Trainingsstand vom Hund und natürlich mit Pausen versehen!) powern den Hund mehr aus als eine Stunde Gassi gehen. Kopfarbeit ist das A und O für den Hund. Sie lastet unseren Hund aus, fördert die speziellen Anlagen unserer Hunde und macht ihnen richtig Spaß.

Nach einer bewegten Mittagspause kann der Hund auch nochmal eine Ruhepause erhalten und etwas alleine bleiben.

Wichtig ist natürlich auch, den Hund an mögliche neue Geräusche zu gewöhnen. Kannte er vorher noch keine Videokonferenzen, können die plötzlichen Stimmen den Hund verunsichern. Vielleicht einfach einmal mit Freunden oder Verwandten testen, bevor der Hund in der Videokonferenz mit einer*m wichtigen Kund*in anfängt zu bellen.

Gleiches gilt natürlich für sensible Hunde bei laut klackernden Tastauren oder ähnlichen Gegenständen und Arbeitsabläufen, die der Hund so nicht gewohnt ist.

Vielen Hundebesitzer*innen ist gar nicht bewusst, wieviel sie eigentlich unbewusst mit dem Hund zu Hause machen. Eine Streicheleinheit hier, ein Schnalzer da, ein Keks dort und nochmal kurz kuscheln und anhimmeln. Unsere Vierbeiner nehmen das sehr wohl war. Daher kann es passieren, dass sich einige Hunde daran stören, wenn wir plötzlich die ganze Aufmerksamkeit einem ollen Bildschirm schenken. Da heißt es dann, wir müssen lernen, unseren Hund auch mal in Ruhe zu lassen, damit unser Hund lernen kann, dass er nicht immer Nummer 1 ist und auch einfach mal in Ruhe entspannen kann. Dieser Prozess braucht bei einigen Hunden etwas Zeit, damit sie sich an die neue Situation gewöhnen können. Zu Beginn helfen dabei auch Kauartikel, so können die Hunde ihrem Stress etwas Luft machen.

Schlussendlich gilt, Hunde müssen sich an die neue Situation gewöhnen. Doch dem Mensch muss ebenfalls bewusst sein, dass sich diese Situation jederzeit ändern kann. Daher muss er die Konsequenzen für seinen Vierbeiner immer im Blick haben. Wir würden es auch nicht toll finden, wenn wir drei Monate in Saus und Braus leben mit vielen Kuscheleinheiten und allem was dazu gehört und von heute auf morgen müssen wir alles abgeben und bleiben allein zurück. Unsere Hunde können so etwas nicht nachvollziehen und entwickeln oft Stress und Frustration. Daher die Zeit im Home- Office sinnvoll und hundegerecht aufbauen, damit alle Parteien zufrieden sind.