Dein Hund – ein Meister der Manipulation

Anni Warfen Aktuelle Themen, Erziehung und Ausbildung

Hunde besitzen unheimlich viele Strategien, ihr Ziel zu erreichen und ihren Besitzer zu manipulieren. Auch wenn die meisten Sicht- und Hörzeichen schon recht gut befolgt werden, müssen wir uns klar machen, dass die Kommunikation mit dem Hund außerhalb des Übungsgeländes erst richtig losgeht. Viele Hunde, die auf dem Hundeplatz prima “funktionieren”, aber außerhalb wesentlich schlechter hören, haben ihren Zweibeiner im Alltag richtig gut im Griff. Der Durchschnittshund setzt seine Wünsche meist absolut aggressionsfrei durch und hat viele scharfsinnige Strategien im Umgang mit euch auf Lager.

Wer fordert auf, der Hund oder ihr? Klassische Situationen wurden bereits auf dem theoretischen Abend besprochen, aber hier noch einige Beispiele: der Hund möchte nach draußen und kratzt an der Tür, er möchte sein Futter, geht zum Napf und blickt uns auffordernd an oder winselt. Er möchte schmusen, legt die Pfoten oder den Kopf auf unseren Schoß. Wir können diesem “Dackelblick” nicht widerstehen und streicheln ihn, oder??? Oder der Hund möchte spielen und bringt uns seinen Ball – wir sollen uns ja mit dem Hund beschäftigen, also lassen wir alles stehen und liegen, um den Ball zu werfen.

Es gibt viele Gelegenheiten, bei denen Hunde versuchen, ihr Manipulationsverhalten einzusetzen. Was haben wir in der Hundeschule gelernt? Sobald das Manipulationsrepertoire abgespult wird, ignorieren wir den Hund. Ignorieren bedeutet, so zu tun, als wäre der Hund überhaupt nicht da. Verhält er sich dann ruhig und unaufdringlich, bestimmen wir, was gemacht wird. In den oben beschriebenen Fällen hat der Hund agiert, wir haben reagiert. Unser Vierbeiner hat uns erfolgreich, aber oft sehr dezent manipuliert und damit nicht nur für den Moment einen Sieg davongetragen. Der Hund lernt, dass er es ist, der den Ton angibt, und das wirkt sich verheerend auf die Gehorsamsbereitschaft des Hundes aus.

Natürlich fällt es uns schwer, dem Hundeblick zu widerstehen, aber anstatt z.B. sofort Streicheleinheiten zu vergeben, können wir abwägen, ob wir den Hund ignorieren oder wegschicken. Der Unterschied ist ganz einfach – wir agieren, der Hund reagiert. So soll es in einem gut funkionierendem Rudel sein, jeder Körperkontakt geht vom ranghöheren Tier aus. Eine kleine Weile später dürft und solltet ihr euren Hund zu euch rufen und richtig durchknuddeln.

Hunde haben sehr viel Phantasie, wenn sie etwas Bestimmtes erreichen wollen. Füttern wir den Hund nicht sofort, wenn er winselnd vor seinem Napf steht, erscheint uns das grausam und gemein. Das ehrt uns als Menschen, aber der Hund reagiert auf diese demokratischen Spielregeln leider weder mit Liebe noch mit Gehorsam, im Gegenteil. Erziehung ohne Gewalteinwirkung hat eine ungeheure Wirkung auf das Verhalten des Hundes. Möchtet ihr einen folgsamen Hund, solltet ihr das Wann, Wie und Wo bestimmen.

Die Umstellung ist zu Anfang etwas schwer, und der Hund wird alles versuchen, um euch herumzukriegen. Seid ihr aber konsequent und haltet diese Schwierigkeiten durch, läuft es wie von selbst, weil der Hund lernt, dass es keinen Zweck hat, euch manipulieren zu wollen. Ihr habt so den ganzen Tag Gelegenheit, so ganz nebenbei eine Menge an Erziehung zu leisten.