Arbeitskollege Hund im Büro

Wilma Warfen Aktuelle Themen, Erziehung und Ausbildung, Interessantes, Wissenswertes

Der Traum eine*r jeden Hundebesitzer*in: Die Stellenausschreibung passt und  besagt- wir bieten: Hunde sind im Büro erwünscht. Dann hat es auch noch mit dem Bewerbungsgespräch geklappt und die Zusage ist ins Haus geflogen. Nun kann Bello unser neuer Kollege im Büro werden!
Doch es darf nicht vergessen werden, dass auch unsere Hunde auf diesen neuen Job gut vorbereitet werden müssen.

Bello als Arbeitskollege im Büro ist für viele Hundebestitzer*innen ein wahrer Traum. Zunehmend erlauben Firmen ihren Mitarbeiter*innen Hunde mit ins Büro zu nehmen. Doch leider vergessen die Menschen dabei oft, dass so eine neue Kulisse auch für den Hund- neue Eindrücke und oftmals eben auch Stress bedeutet. Natürlich kann sich  der Stress schnell wieder legen, doch es ist wichtig, seinen Hund an die neue Situation zu gewöhnen. Zuallererst muss aber geschaut werden, ob der eigene Hund überhaupt als Bürohund taugt.

Im Vorfeld

Im Vorfeld sollten einige Fragen geklärt werden: Gibt es andere Hunde im Büro und kann mein Hund mit anderen Hunden? Reagiert mein Hund freundlich auf andere Menschen? Hat er vielleicht sogar Angst vor bestimmten Menschen?  Im welchen Bereich arbeite ich? Muss mein Hund nur meine Kolleg*innen kennenlernen oder werde ich auch oft fremde Menschen empfangen? Hält mein Hund so etwas aus? Ist genügend Platz für meinen Hund vorhanden? Gibt es Kolleg*innen mit Angst oder Allergien vor Hunden? Wie komme ich ins Büro: Tür, Treppe, Fahrstuhl, Rolltreppe? Macht mein Hund so etwas mit? Wo befindet sich meine neue Arbeitsstelle- auf dem Land oder in der Stadt? Kennt mein Hund die Stadt? Stressen meinen Hund neue Umgebungen, Abweichungen von den Alltagsroutinen?

All dies sind ein Teil der Fragen, mit denen ich mich im Vorfeld beschäftigen muss, wenn mein Hund mit ins Büro kommen soll.

Voraussetzungen

Dann ist natürlich Grundvorrausetzung, dass der Hund eine gewisse Erziehung besitzt. Sporadische Grunderziehung, die ab und an klappt, reicht dafür nicht aus. Natürlich ist auch die Stubenreinheit wichtig. Kleine Welpen sind in den ersten Wochen nicht für das Büro geeignet. Sie können zum Kennenlernen eine Stunde mitkommen, das reicht dann aber vollkommen aus. Langsam gewöhnt man die Vierbeiner dann an die  Umgebung und die Abläufe am Arbeitsplatz.

Die Hunde sollten in der Lage sein, auf ihrem Platz zu bleiben. Dafür eignet sich eine Decke oder Körbchen. Somit haben sie im Büro ihr eigenes Reich, in dem sie sich sicher und geborgen fühlen. Der Platz sollte in direkter Nähe zum Hundebesiter*in sein. Damit dieser immer ein Auge auf seinen Hund hat.

Der Hund sollte außerdem auch damit klarkommen, wenn der*die Hundebesitzer*in mal außer Sicht geht. Es wäre gefährlich, wenn ein wild gewordener Hund durch das ganze Büro rennt, weil sein*e Besitzer*in mal auf die Toilette verschwindet oder ein Plausch im Flur hält. An Mobiliar anbinden ist gefährlich und nicht zu empfehlen. Hunde können enorme Kraft entwickeln, Gegenstände umwerfen oder mitziehen und dabei nicht  nur sich selbst sondern auch andere Menschen verletzen.

Genauso sollten die Hunde keine Menschen unaufgefordert begrüßen oder anspringen. Gerade in Branchen, in denen viele Kund*innen zu Besuch kommen, ist es wichtig, dass die Hunde die fremden Menschen  in Ruhe lassen

All diese Übungen sollten im Vorfeld zu Hause von klein auf geübt werden. Nur so kann der Hund sie später sicher in fremden Umgebungen umsetzen.

Falls der Platz besteht ist die Mitnahme einer Box für den Hund hilfreich. Dort hat er sein eigenes Reich und ist sicher untergebracht, wenn er einmal kurz allein bleiben muss.

Im Büro

Bevor der Hund mit ins Büro kommt, sollte er die Umgebung an einem Tag kennenlernen, an dem der*die Hundebesitzer*in nicht arbeiten muss, um sich voll und ganz um den Hund kümmern zu können. Er sollte die Eingänge wahrnehmen, typische Geräusche Vorort mitbekommen (Drucker, Schredder, Bürorollstühle, Kaffeemaschinendampf etc.…), Gerüche inspizieren und vielleicht auch schon den ein oder anderen menschlich*e Kolleg*in begrüßen. Bürohunde sollten an diesem Tag nicht aufeinander stoßen. Das Kennenlernen unter ihnen sollte im Vorfeld vor dem ersten Arbeitstag an einem neutralen Ort stattfinden. So kann keiner Revier- oder Besitzansprüche zeigen und die Vierbeiner können sich begutachten.

Hat der Hund sich dann einen ersten Einblick im Büro verschafft, kann er diesen gut verarbeiten. In den ersten Tagen sollte der Hund nicht überfordert werden. Vielleicht kommt er erstmal auch nicht jeden Tag mit. So kann die Eingewöhnung langsam gesteigert werden. Der*die  Hundebesitzer*in darf nicht vergessen, dass er*sie mit Beginn der Arbeit nicht mehr viel Konzentration auf den Hund legen kann. Gestresster Hund in Verbindung mit gestresstem Menschen kann dann auch schnell negativ wirken. Daher lieber langsam und vielleicht auch ein zwei Urlaubstage nutzen, um dem Hund das Büro zu zeigen und ihn langsam eingewöhnen.

Wichtig ist zudem auch, dass die eigenen Kolleg*innen Bescheid wissen, was sie mit dem Hund dürfen und was nicht. Vielleicht soll der Hund nicht andauernd angesprochen werden oder er soll seine Ruhe haben, wenn er auf der Decke liegt? Vielleicht möchte man auch einfach nicht, dass er etwas zum Fressen bekommt? All dies sollte im Vorfeld mit den Kolleg*innen geklärt werden. Nicht jede*r Hundebesitzer*in hat den gleichen Erziehungsstiel und nicht jeder Mensch weiß, wie man mit Hunden umgeht. in kurzes nettes Gespräch kann da helfen.

Auch wenn sich die Bürohunde später untereinander gut kennen, sollte im Büro kein Kontakt stattfinden. Dafür kann die Mittagsause genutzt werden. Die Hunde sollten lernen, im Büro herrscht Ruhezeit und ich muss auf meinem Platz bleiben.

Nach der vielen Ruhezeit sollte die Mittagspause draußen aktiv genutzt werden. Ein wenig Kopfarbeit lastet den Hund aus und bringt ihm zudem viel Spaß. Vielleicht kann auch etwas mit den anderen Hundebesitzer*innen zusammenstattfinden? Gemeinsames Training bringt auch den Hunden Spaß. Auch im Sommer sollte der Wasserspaß aber in die Freizeit verlegt werden. Nasser Hund am Arbeitsplatz ist nicht jedermanns Sache.

Soll der eigene Hund zum Bürohund werden, sollten Hundebesitzer*innen den Vierbeiner im Büro genau beobachten. Ist er sehr gestresst, kommt er nach einiger Zeit zur Ruhe, wie verhält er sich? Hat der Hund fremde Umgebungen und unterschiedliche Umgebungsreize nie kennengelernt, kann es sein, dass der Hund im Büro zu starkem Stress ausgesetzt ist.

Haben auch Sie vor Ihren Hund mit ins Büro zu nehmen, sprechen Sie uns gerne an!