Trischis Ziehmutter meldet sich zu Wort

Anni Warfen Aktuelle Themen, Interessantes, Schüler-Ecke, Welpentagebuch / Junghundtagebuch

Wie bei jedem Wurf schüttelten Tristan und seine Geschwister 9 Wochen unser Leben durcheinander, bestens betreut von seiner Mutter Brezel meinem Mann und mir, eher geduldet von seinem Vater Trick und seiner Oma Wilma 😉
Mittlerweile haben wir alle eine gewisse Routine in der Aufzucht eines Wurfs entwickelt, trotzdem stellt es mich immer wieder vor große Herausforderungen und zwar – abgesehen vom Eintreffen unerwarteter Komplikationen – drei wesentliche:

Herausforderung Trächtigkeit/Geburt: Letztendlich setze ich meine Hündin bewusst einem hohen, zusätzlichen, gesundheitlichen Risiko aus, deswegen kommt für mich das erste, große Durchatmen erst, wenn meine Hündin, nach überstandener Geburt, ruhig mit ihren Welpen in der aufgeräumten Wurfkiste liegt.

Herausforderung Aufzucht: Wenn alles normal verläuft, hält der pure Genuss ca. 3-4 Wochen an. Dann kommt Leben, Stimmung, Lärm, Geruch, Aktion in die Bude, was den Genuss nicht schmälert jedoch Herausforderung Numero zwei einläutet: Welpenlebensraum vergrößern (und somit den eigenen verkleinern 🙂 ), das Volk anständig anfüttern und ernähren (und die Stoffwechselendprodukte entsorgen 🙂 ) und für genügend Abwechslung und entsprechende Frühprägung sorgen…

Herausforderung Abgabe: Hier besteht die Herausforderung nicht im eigentlichen „Hergeben“ (glaubt mir, das fällt nach der Zeit nicht sooo schwer 🙂 ), sondern diese kleinen Lebewesen, deren Dasein auf der Welt allein in meiner Verantwortung liegt, „in die richtigen Hände“ zu geben.
Bei Trischis Wurf hatte ich das große Glück, drei der zukünftigen Dosenöffner schon lange zu kennen!

Und so komme ich, nach meiner Einleitung, nun zu Dir, liebe Petra!
Neben Trischis Bruder Willy, dessen Werdegang ich ebenfalls auch bei Anni verfolgen kann, bekomme ich Dich mit „meinem“ Trischi seit der Abgabe hautnah mit. Das ist für mich ein Novum, (wohnen die Welpen aus den vorherigen Würfen doch alle verstreut in Deutschland und europäischem Ausland). Es ist eine neue Herausforderung und noch viel größere Freude so nah dran zu bleiben. Um die Erziehung zu einem „alltagstauglichem Hund“ muss ich mir in Eurem Fall ja weniger Gedanken machen, Du hast Dich jedoch entschieden, Trischi auch auf Ausstellungen zu zeigen und da darf ich jetzt der Mentor sein. Als ich damals begann, hatte ich auch erfahrene Leute an der Seite und gebe das nun dankbar weiter.

Petra, wir haben darüber gesprochen, aber auch an alle die dies lesen und evtl. mal überlegen ihren Hund auf einer Ausstellung einem Richterurteil zu unterwerfen: Bitte Leute, oberstes Gebot und Grundeinstellung muss sein: Der Hund mit dem Ihr den Ring verlasst ist immer noch der selbe, mit dem Ihr ihn betreten habt, ganz egal wer, was über ihn sagt oder schreibt!!!!

Rassenhundezuchtschauen, vielen graut es davor, Bilder von gehaarsprayten Hunden mit verschrobenen Leinenhalterinnen tun sich vor dem geistigen Auge auf, ich kenne all die Klischees und sie werden auch durchaus auf den Veranstaltungen bedient. Du Petra hast Dich davon nicht schrecken lassen und bist mit Trischi hineingeköpft. Ich bin sehr froh, Dich dabei unterstützen zu können, so vermeidet man durchaus das eine oder andere Missgeschick und Fettnäpfchen.
In Lübeck hast Du selbst gesehen, was passiert, wenn ein Hund nicht vorbereitet ist, damit meine ich nicht nur äußerlich, sondern auch mental. Eine Hündin kroch deutlich verunsichert fast an der Grasnarbe entlang durch den Ring. Ein eindeutiges Indiz für keinerlei Prägung/Vorbereitung auf Umweltreize. Du hast Dir, neben Trischis Grunderziehung, vorab Ausstellungen angesehen, Dich ins Ringtraining gestürzt, das korrekte Hinstellen und Laufen, die Präsentation auf dem Tisch und das Zeigen der Zähne geübt. In Lübeck und auch in Berlin stolzierte ein absolut selbstsicherer und völlig unbeeindruckter Trischi an Deiner Leine mit Dir durch den Ring und ich musste mich aufgeregt mit meiner neuen, passiven Rolle am Rand auseinandersetzen ;-). Ihr habt eine richtig gute Figur gemacht!

Nach bislang „nur“ zwei Ausstellungen, hast Du sicher bemerkt, dass Rassehundeschauen neben einem Treffpunkt der Eitelheiten und Animositäten auch Treffpunkt für alle sind, die sich für eine Rasse begeistern und ihre Erfahrungen austauschen. Es können sehr, sehr nette Kontakte entstehen. Für mich als Züchter ein Muss, brauche ich doch gewisse Erfolge, nicht für´s Ego, sondern um meinen Hund überhaupt zur Zucht zugelassen zu bekommen. Für „normale“ Besitzer interessant der netten Kontakte wegen und – wie ich finde – auch um mit der Zeit einmal einen Blick dafür zu bekommen, was den eigenen Hund rassetypisch, in Deinem Fall zu einem Border Terrier, macht.
Er ist nicht nur der kleine, braune Terrier mit dem niedlichen Gesicht, so eine Spezies zu züchten bedürfte keiner Kontrolle durch Zuchtvereine, Zuchtbücher, Zuchtschauen etc. Es gibt einen Standard aus dem Mutterland der Rasse, Hunde, die in die Zucht gehen sollten vorzügliche Vertreter dieses Standards sein, nur so können wir gewährleisten, dass es den Border (und jede andere Rasse) auch in zig Jahren noch gibt. Dem einzelnen Hundebesitzer mag es im Hier und Jetzt egal sein, ob sein Hund ausreichende Winkelungen, eine gerade Rückenlinie, korrekten Rutensitz o.Ä. hat und das ist auch ok so. Dem einzelnen Hund ist es aerst recht Wurst, aber eine Hunderasse braucht immer Leute, die etwas mehr in das Thema einsteigen und daran arbeiten, dass diese „ihre“ Rasse, die typischen Merkmale nicht verliert, denn nur so können wir auch in Zukunft Leuten ermöglichen sich, z.B. einen Border Terrier zu kaufen oder welche Rasse auch immer.

Grenzwertig ist jedoch, meiner Meinung nach, nur auf das Exterieur zu achten. Viele zukünftige Zuchthunde werden z.B. schon ab der sechsten Woche nur auf Trimmtischen gefüttert, das einzige, was sie enthusiastisch beigebracht kriegen ist lediglich alles was das Ausstellen betrifft. Nicht zuletzt durch Euch alle aus der Hundeschule, hat sich mein Blick auch etwas verändert. Ich sehe die Notwendigkeit, den Sinn und Spaß von und an Ausstellungen, wie oben beschrieben nach wie vor, aaaaaber jede Rasse hat auch ihr rassetypisches Wesen, was es zu erhalten gilt. Mein Wunsch ist es, dass man in 100 Jahren noch einen Border bekommt, der ausschaut wie ein Border UND der agiert wie ein Border und deswegen freue ich mich über jeden, der, wie Du, mit seinem Border auch arbeitet.

Ganz oben im Rassestandart – vor allen Äußerlichkeiten – steht:
„In erster Linie ein Arbeitsterrier – fähig einem Pferd zu folgen, er vereinigt Unternehmungslust mit jagdlichem Schneid!“

Petra, es ist an Dir Trischi in diesem Sinne zu fordern und zu fördern. Von Außen wurde ihm nun schon auf Ausstellungen bescheinigt, dass er zumindest aussieht wie ein Border, wenn ich mir seine Muckis an den Schenkeln ansehe, wird er in der Lage sein einem Pferd zu folgen, seine Unternehmungslust beweist Ihr in unserer Montagsgruppe bei Anni und den jagdlichen Schneid… hmmmhmm…befriedigst Du mit der Fährtenarbeit.

Also, ich sag mal nach der Ausstellung ist vor der Arbeits-Prüfung…
nicht nur ich soll mich Herausforderungen stellen 😉

Viel Freude weiterhin
Britta