Nora wird 11 Jahre

Anni Warfen Schüler-Ecke

Wie alles begann:

September 2007

Als wir nach Emden zu Nora fuhren, lebte sie in einer Pflegestelle einer befreundeten Tierschutzorganisation. Wochen zuvor war sie von den Tierschützern aus ziemlich elenden Lebensbedingungen herausgeholt worden. Nun lebte sie in der Familie, die sie aufgenommen hatte zusammen mit einem erwachsenen Doggenrüden. Nora war im März geboren, also zu dem Zeitpunkt, als wir sie erstmals sahen, 6 Monate jung, eine wunderschöne schwarze Hündin, die freundlich zu uns Kontakt aufnahm. Schnell fiel die Entscheidung, dass sie zu uns gehören sollte, ein hoffentlich langes Hundeleben lang.

Damals begleitete uns die Erinnerung an Peter, den lebensfrohen schwarzen Doggenrüden, der zwei Jahre vorher durch menschliche Schuld tödlich verunglückte. Und danach kam PETJA zu uns aus einer angesehenen deutschen Doggenzucht. Schon als wir ihn abholten (3 Monate) erschien er mir gestört in seinem Verhalten, war erkennbar dort ein Außenseiter in der Welpengruppe. Später haben sich dann diese Verhaltensauffälligkeiten immer verstärkter gezeigt. Seine motorische Unruhe erinnerte mich an Kinder mit einer minimalen cerebralen Dysfunktion. PETJA erkrankte im Alter von 11 Monaten (trotz Zwingerhusten-Impfung) zunächst an Husten und zunehmenden Atmungsproblemen. Ärztliche Behandlungen brachten keine Besserung, nach drei Tagen zogen wir mit ihm in die Tierklinik Wahlstedt, damit er dort kontinuierlich behandelt werden konnte. Uns wurde ein Raum zur Verfügung gestellt, den wir mit Matratzen und Kissen auslegten, um so Tag und Nacht bei ihm sein zu können. Aus dem Husten wurde eine nicht mehr behandelbare Lungenentzündung. Trotz Sauerstoffzufuhr und ständiger Infusionen mussten wir zustimmen, ihn nach 4 Tagen einschläfern zu lassen, um ihn nicht ersticken zu lassen. Wir hatten diesen Kampf verloren. Dieser einst so schwierige PETJA verwandelte sich in diesen letzten Tagen seines Lebens immer mehr in einen sanften und geduldigen Doggenjungen.

Nun die junge schwarze Hündin, die wir NORA nannten. Sie ging ohne Zögern mit uns von ihrem bisherigen Zuhause fort und stieg freudig ins Auto.

Zuhause angekommen inspizierte sie interessiert Haus und Garten Pferdestall und die Katzen. Nachts schlief sie (wie alle meine Hunde) in dem großen gemeinsamen Bett neben mir.

Erst jetzt fiel mir auf, wie klein sie für ihr Alter war. Innerhalb von ca. vier Wochen wuchs die kleine Hündin etwa 10 cm in die Höhe, das war die fehlende Höhe. Wochen später hat sie dann auch die Marke von knapp 80 cm erreicht.

Schon damals war erkennbar, dass Nora zwar gern mit mir im Auto in den Wald fährt, um mit mir zusammen zu sein und die vielen Gerüche zu genießen, aber am eigentlichen Umherlaufen hatte sie wenig Interesse. Es fiel auf, dass sie stets in ihrer Aufmerksamkeit nach hinten (rückwärts) orientiert war, als fürchte sie eine Gefahr von hinten kommend. Dieses Verhaltensmuster ist auch heute noch ab und zu beobachtbar. Ich habe noch nie mit einem Hund zusammengelebt, der so wenig mit Waldspaziergängen anfangen konnte. Ausflüge mit ihr in die nahe Kleinstadt mit Parkanlagen fanden auch nicht ihr Interesse. Immer „schlich“ sie fast neben mir. Wir ließen ihre Schilddrüsenfunktion und ihr Herz untersuchen, alles in bester Ordnung. Doch Nora freut sich stets sehr, wenn ich ihr die Fahrt in den Wald ankündige.

Und zuhause in unserem großen Garten und der gut eingezäunten Pferdekoppel (ca. 10000 qm) mit einem langen Knick tobte und rannte Nora in riesigen Galoppsprüngen ihre Runden. Diese Renn-Runden sind seltener und kürzer geworden. Aber Nora trabt (mit einem diskreten Taktfehler) fast immer noch schwebend ihre Wege im Garten und auf der Koppel. (November 2017)

Zurück zu meinem Bericht aus der Anfangszeit mit Nora:

Wochen später ging ich mit ihr in eine Hundeschule, in der schon PETER und PETJA waren. Dort begann ich die beunruhigende Erkenntnis zu begreifen, dass meine junge Hündin nicht wirklich eine feste Bindung zu mir aufgebaut hatte. Das zeigte sich darin, dass Nora sich ziemlich wahllos anderen Menschen anschloss und sich auch nicht bemühte mich dann wiederzufinden. So wanderten wir Hundehalter mit unseren freilaufenden Hunden im Kreis und Nora war irgendwo bei fremden Menschen.

In diese Zeit hinein fiel das Ereignis, dass sie mich auf unserer Koppel angaloppierte und ich einen gebrochenen Fuß hatte. Nun musste ich nach anderen Möglichkeiten für gemeinsame Aktivitäten suchen: Mein Plan war, ganz viele für uns beide interessante und lustvolle gemeinsame Aktivitäten zu finden. Und das, obwohl ich einige Wochen kaum längere Strecken gehen konnte. Wir waren zusammen im Garten, sie war bei mir, wenn ich am Schreibtisch und Computer saß. Wir spielten miteinander und auf der Koppel raste sie mehrmals am Tag ihre Runden. Nie wieder hat diese Hündin mich bei diesen wilden Spielen auch nur touchiert.

Als mein Fuß wieder belastbar war setzten wir unsere Waldspaziergänge fort. Und in mir wuchs die Gewissheit, dass Nora nun mein Hund und ich ihr Mensch geworden bin. Es gibt eine Verständigungsebene zwischen uns, die rational nicht erklärbar ist. Niemals wäre meine Hündin mit einem anderen Menschen mitgegangen.

Wochen später kehrte ich wieder in die Hundeschule Anni Warfen zurück, um an dem dort angebotenen vielfältigen Ausbildungsangebot mit Nora teilnehmen zu können. Dort sind wir 5 Jahre lang regelmäßig zweimal in der Woche hingefahren. Nora musste sich anfangs auf zwei verschiedene Hundegruppen, die sich an festen Wochentagen trafen, einstellen.

Unsere Arbeit umfasste: Dummy-Arbeit, Hürden springen, Kisten-Arbeit, Fährten-Suche und später dann auch die Arbeit an und auf der Brücke, die Reviere und das um Objekte herumlaufen („rund-herum“), Dummy aus einem Revier holen. Anfänge von „man trail“ im Wäldchen.

Schon bald zeigte sich bei NORA die Tendenz anderen Hunden (egal ob Rüde oder Hündin) eher unfreundlich bis aggressiv-abweisend zu begegnen. In ihrer festen Übungsgruppe war das noch einigermaßen zu kontrollieren, zumal ihr Grundgehorsam recht gut war (und ist), aber schon die räumliche Nähe zu Hunden einer anderen Gruppe ließ bei ihr diese feindliche Grundstimmung aufkommen. Das blieb bis heute ein erhebliches Problem. Ich konnte sie nie – ohne viel Stress für mich –zu einer Pferdesportveranstaltung oder auch zu einem Besuch in eine kleine Stadt mitnehmen, da uns überall fremde Hunde begegnen konnten. Jetzt in ihrem hohen Alter ist das immer noch so, doch bin ich inzwischen sicher, dass die hinter ihrem Verhalten stehende Motivation nicht Aggression ist, sondern das Bemühen, mich und sich selbst zu verteidigen. Trotz dieser meiner Interpretation ihres Verhaltens bleibt für mich die Problematik, dass ich stets die Befürchtung habe, sie würde sich unkontrolliert auf einen fremden Hund stürzen und dann auch zubeißen. Tatsache ist, dass ich sie in einer derartigen Situation nicht zurückhalten könnte. Besonders ausgeprägt ist diese Problematik in der Nähe unseres Anwesens, auf das Grundstück oder gar ins Haus würde Nora nie einen anderen Hund lassen, aber auch die Feldwege um unser Haus und Garten sind für mich nicht begehbar wegen der inzwischen so vielen Spaziergänger mit Hunden.

Zu den Trainingselementen in der Hundeschule:

Hohes Brückengebäude mit Treppenaufgang an zwei Seiten. Die Brücke ist mehrere Meter lang mit unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten, teilweise „Wackeluntergrund“.

Eine große Rolle spielte stets das Holen des Dummys aus einem Revier oder aus einem Holzstapel oder anderen Stellen.

Das „Rund-Herum“ -Laufen um ihr gezeigte Gegenstände (Bäume, Holzhaufen, eine Bank) hat Nora immer gern ausgeführt. Auch heute mit fast 11 Jahren rennt sie noch bei uns auf der Koppel um die ihr gezeigte Feuerstelle mit alten Sträuchern. Sie tut dies mit erkennbarer Freude, fast möchte ich sagen „mit lachendem Gesicht.“

 

Sehr beliebt waren auch stets die „Kisten-Übungen“. Dazu lagen bei Anni Plastik-Kisten bereit, die entweder mit Öffnung nach oben oder nach unten in eine Reihe (oder Kreis) gelegt wurden, mit unterschiedlichen Abständen. Die große Nora ging nicht nur geschickt über diese Kisten (offen oder geschlossen), sondern setzte sich auch Aufforderung in diese hinein.

Kisten haben immer noch für die alte Hündin einen ebenso großen Aufforderungscharakter wie eine ausgelegte Plane, sie will unbedingt darauf gehen.

In einem Fährten-Kurs durfte Nora eine in ihrer Abwesenheit gelegte Fährte erschnüffeln bis das gesuchte Objekt gefunden war. Sie hat diese Aufgabe mit viel Interesse und Eifer bewältigt. Dabei wurde ich immer wieder an die Aussage eines befreundeten Försters erinnert, der zweimal hintereinander eine Dogge aus der „Doggen-Nothilfe“ zu sich holte und mir berichtete, dass diese Doggen die gleichen Leistungen im Wald bei der Suche nach Wild leisteten wie Jagdhunde.

Eines allerdings hat Nora beharrlich verweigert: das Hineingehen in flaches Wasser. Es gibt bei Anni einen großen Teich, in dem die Hunde baden und schwimmen können. Obwohl Ilka schon ganz im Wasser stand, weigerte sich Nora tiefer als bis zu den Ellenbogen ins Wasser zu gehen. An Schwimmen war nicht zu denken.

Die hohe Qualität des Geruchssinnes von Nora zeigt sich für mich auch darin, dass auch die alte Nora noch exzellente Arbeit leistet beim Finden eines geworfenen Leckerlis, das klappt auch bei Dämmerung. Besser allerdings bei guter Beleuchtung, denn Noras Augen verfügen immer noch trotz des hohen Alters über eine ungetrübte Sehschärfe. Das ist das Erbe der Windhunde, die vor langer Zeit bei den Doggen eingekreuzt wurden.

Anni hat zu jeder Übungsstunde immer wieder neue Trainings-Ideen für uns vorbereitet. Vieles davon habe ich mit nachhause genommen und für uns auf unserem großen Gelände „im Kleinen“ nachgebaut: so z.B. Trapez, 3 Reviere, Kisten und Dummys.

Unser Koppelgelände ist ca. 10.000 qm groß mit einer langen Knickseite mit Unterholz. Die auf dieser Koppel gebauten „Pferdezäune“ haben jeweils nur eine waagerechte Halblatte, die so hoch angebracht ist, dass Nora darunter durchlaufen kann.

Zuhause haben wir viel miteinander das Suchen meiner Person geübt. Dazu sitzt Nora an einer ihr zugewiesenen Stelle im großen Garten, der der Koppel vorgelagert ist und wartet auf das Kommando mich suchen zu dürfen. Von dieser Warteposition aus kann sie mich nicht sehen. Auf einen Pfiff hin startet sie in hohem Tempo, um mich zu suchen, irgendwo im Gelände.

Auch bei unseren Waldspaziergängen haben wir jahrelang dieses „Suchspiel“ eingebaut. Auch hier saß sie an einer ihr angewiesenen Stelle hinter einem Busch und wartete minutenlang bis mein Pfiff ertönte. Dann startete sie durch, anfangs in hohem Tempo bis zu der Stelle, an der ich den Hauptweg verlassen hatte, um im Unterholz ein Versteck zu finden. In letzter Zeit gab es dann etwas Probleme für sie herauszufinden, welchen Weg ich dann genommen hatte. Wenn ich dann von meinem Versteck aus noch einmal pfiff, konnte ich sehen, dass Nora etwas orientierungslos stehen blieb, da sie offenkundig die Richtung des Pfiffes nicht mehr sicher orten konnte. Dann bewegte ich mich und sie rannte glücklich zu mir.

Wir haben ein altes Bauernhaus mit vielen Treppen. Insgesamt zwei Treppen um den oberen Teil des Hauses zu erreichen (Schlaf- und Arbeitsbereich) und noch eine weitere Treppe ganz nach oben zum Dachraum(Computer). Insgesamt haben die viel genutzten Treppen 15 plus 6 Stufen. Die Treppe zum Bereich unter dem Dach noch einmal 10 Stufen. Nora steigt diese Stufen mehrmals am Tag immer noch mühelos. Im letzten Jahr ist sie noch hochgerannt, jetzt steigt sie zügig hoch, oft noch mit einem Spielzeug in der Schnauze.

Ich habe nie (auch nicht bei meinen früheren Doggen) den vielgenannten Ratschlag befolgt, eine Dogge solle möglichst keine Treppen steigen, da ich diese Empfehlung (abgesehen von den ersten Lebensmonaten) für gänzlich unbegründet erachte. Eine Dogge kann wie alle anderen Hunde klettern, Hindernisse übersteigen und natürlich auch treppenähnliche Gegebenheiten überwinden. Aus meiner Sicht sollte genau das ständig – möglichst ein Leben lang- täglich geübt werde. Ich erwarte ja auch von mir, dass ich trotz fortgeschrittenen Alters genau wie Nora viele Treppenstufen täglich steigen kann, um Kraft und Beweglichkeit meiner Motorik zu erhalten.

Anfang dieses Jahres (2017) tauchten bei Nora anhaltende Bewegungsprobleme auf, die sich zunächst in Taktstörungen beim Traben dann aber auch beim Aufstehen zeigten; es dauerte einige Sekunden bis die Hündin wieder die rechte Hinterpfote belasten konnten. Ein Kontrollbesuch in unserer Klinik ergab die vermutete Diagnose: Kniegelenkproblem unklarer Genese. Eine Röntgenaufnahme zeigte rechts ein durch Arthrose gezeichnetes Kniegelenk. Der Arzt vermutete einen Kreuzbandanriss evtl. mit Meniskusschaden, aber alles nur Vermutung. Ins MRT wollte ich Nora nicht schicken, da es für einen Befund Kreuzbandanriss immer nur eine Operation als Behandlungsempfehlung geben würde. Wir haben vor Jahren einen älteren Doggenrüden, unseren DUBAI, im Zuge einer Kreuzbandoperation verloren. Das Tragische war damals, dass die erste OP nach einer ganz modernen Methode gut geglückt war, der auch schon ältere DUBAI konnte schon gut mit dem frischoperierten Bein gehen. Dann nach einer Woche gab es einen Rückfall ohne erkennbaren äußeren Grund: DUBAI lief nur noch auf drei Pfoten, die zuvor schon so stabile rechte Hinterpfote konnte nicht mehr belastet werden. Nach vielen Untersuchungen, die ich hier nicht alle schildern will, wurde in einer erneuten Narkose das operierte Kniegelenk geöffnet und es stellte sich heraus, dass diese vorangegangene Operation des vorderen Kreuzbandes zwar einwandfrei verlaufen sein sollte, dass aber nun das hintere Kreuzband gerissen sei. Eine operative Behandlung wurde ausgeschlossen wegen der kurz zuvor erfolgten Operation des vorderen Kreuzbandes. Ein Riss des hinteren Kreuzbandes wurde uns als quasi „Rarität“ beschrieben, tatsächlich sei das „statistisch“ noch nie vorgekommen. Wir haben einen lebensfrohen gesunden Doggenrüden verloren.

Deshalb also meine Vorbehalte gegenüber einer operativen Versorgung eines Kreuzbandrisses.

Ich beschloss, bei Nora anders vorzugehen. Sie bekam eine Injektion ins Kniegelenk mit einem Präparat, das in der Gelenkbehandlung bei Pferden recht erfolgreich eingesetzt wird. Zusätzlich viele Nahrungsergänzungsmittel aus der Naturheilkunde und sehr dosierte aber regelmäßige Bewegungsmöglichkeiten. Anfangs sind wir zusammen im Wald nur 10 Minuten gelaufen. Die Treppen ist sie weiterhin gut rauf- und runtergegangen, auch das Steigen aufs Sofa oder ins Bett gelang ziemlich mühelos. Für das Einsteigen ins Auto wurde eine Kiste von der Hundeschule als nun ständiges Hilfsmittel benutzt. Nora hat dann für etwa 3 Wochen täglich 2 Tabletten RIMADYL bekommen, was ihr gut geholfen hat. Inzwischen ist die Dosis auf die Hälfte reduziert d.h. sie erhält täglich die Hälfte der für sie notwendigen Menge an Schmerzmittel.

An manchen Tagen rennt sie immer noch in großen Sprüngen über die Koppel, aber die Runden werden weniger. Doch immer noch trabt sie mit federnden Bewegungen.

Jetzt ist Nora wieder fast täglich 30 bis 45 Minuten mit mir im Wald unterwegs. Das Wichtigste ist ihr dabei das ausgiebige Erschnüffeln all der vielen Gerüche dort.

NORA wird regelmäßig einmal im Jahr beim Kardiologen zur Kontrolluntersuchung vorgestellt, es gab und gibt keine Hinweise auf eine Herzerkrankung.

Seit Jahren sind wir immer wieder bei Hautspezialisten in Hamburg mit ihr gewesen wegen mehrerer tumorartiger Hautveränderungen. Alle Untersuchungen haben den Befund erbracht, dass es sich bei diesen Geschwulsten um sogenannte „Grützbeutel“ handelt, die nur behandelt werden sollten, wenn sie sich öffnen. Jetzt im hohen Alter, in diesem Jahr, ist eine solche Stelle auf dem Rücken immer größer geworden und öffnete sich dann und ein schmieriger Ausfluss lief heraus. Leider haben wir etwas zu lange mit der operativen Entfernung dieser Geschwulst gewartet, da wir der älteren Hündin keine Narkose zumuten wollten. Glücklicherweise haben wir uns dann doch dazu entschlossen, sie operieren zu lassen. Alles war gänzlich unkompliziert. Eine sehr lange Naht, aber eine ganz positive Veränderung der Hündin im Allgemeinbefinden.

Nora rennt wieder auf der Koppel und trägt ihre Spielzeuge umher.

Sie schläft deutlich mehr und länger als in jüngeren Jahren, aber ein fremder Laut im Haus oder Grundstück lässt sie aus dem tiefsten Schlummer aufspringen und „Wachhund-Funktionen“ übernehmen. Sie ist stets am Spiel mit ihren diversen Plüschtieren und Bällen interessiert, aber am liebsten mit Beteiligung eines Menschen.

Eine leichte Kot-Inkontinenz seit Anfang des Jahres bereitet nicht wirkliche Probleme, wir lernen damit zu leben.

Nora erhält ein hochwertiges Futter aus Schweden, 3X am Tag und teilweise eingeweicht. Wir haben uns für dieses Futter entschieden, da es zuverlässig ohne Produkte aus der Massentierhaltung hergestellt wird. Unsere Hündin mag dieses Futter, das wir über Anni Warfen beziehen, so gerne, dass die Pellets auch als Leckerlis gern angenommen werden.

Am Ende eines Tages steigt Nora allein die Treppe nach oben, um ins Bett zu gehen. In dieser Warte-Position liegt sie zunächst auf dem Bettareal, das ihrem Menschen gehört. Wir nennen es den „Mama-Platz“. Sobald sie mich die Treppe hochkommen hört, steht sie auf und wechselt auf „ihre Bettseite.“ Ich möchte diesen selbst gewählten Platzwechsel nicht einfach „Gehorsam“ nennen, umso weniger als ich dabei nicht einmal real anwesend bin. Es ist auch kein einfaches „Trainingsergebnis“, für mich ist es ein Ausdruck einer unverhandelbaren Gewissheit meines Hundes, dass ich ihr Rudelführer bin. Das erfüllt mich mit Stolz und einer tiefen Verpflichtung zur Verantwortung ihr gegenüber.

Mein Leben lang geht ein Hund an meiner Seite als Weggefährte, seit über 40 Jahren sind es Doggen.

Diese meine Hündin ist viel in meiner Nähe, wenn ich die Augen schließe und an sie denke, tauchen so unterschiedliche Bilder von ihr in meinen Gedanken auf: die schwarze Nora, die mich mit ihren dunklen Augen, die so unergründlich erscheinen, anblickt, um mir nah zu sein oder um zu ergründen, was ich demnächst vorhabe; diese Hündin, die in riesigen Galoppsprüngen über die Koppel rasend ihre Kreise dreht; Nora, vertieft in ihre Arbeit, eine Spur zu einem zu suchenden Objekt zu finden; Nora, die im Wald, ganz auf sich gestellt, einen Weg sucht, alle anderen ablenkenden Reize ausblendend, nur um ihren Menschen, der weg ist, zu finden; diese große schwarze Hündin, die eingekuschelt in die vielen Kissen und zugedeckt bis über den Kopf, schnarchend und träumend in unserem gemeinsamen Bett liegt.

Was für eine Fülle, was für ein Reichtum an Leben, das sie mir zeigt und mich daran teilhaben lässt.

Eva Bergemann-Gorski
November 2017