Wenn das Spielen zur Sucht wird

Anni Warfen Aktuelle Themen, Erziehung und Ausbildung, Wissenswertes

Es lässt sich immer wieder beobachten: Total hysterische Hunde, die ihren Hundeführer wild kläffend und penetrant zum Spielen auffordern. Dieses Verhalten ist jedoch nicht normal und zeigt Anzeichen einer Sucht. Solch ein Spiel ist kein normales Spiel mehr. Es ist keine Interaktion zwischen Hund und Hundeführer. Der Hundeführer dient lediglich als Spielzeug Werfer. Dementsprechend unterstützt der Hundeführer die Sucht seines Hundes. Daher ist es sinnvoll, das richtige Apportieren schon vorher zu erlernen. Der Hund darf erst dann den Rückhohlversuch starten, wenn der Ball den Boden berührt und sein Hundeführer das Kommando „Apport“ erteilt. Diese Übung sollte nur ein paar Wiederholungen beinhalten und mit weiteren Übungen kombiniert werden. So wird eine Suchgefahr minimiert.

Neben Spielzeugwerfen bietet auch Agility, Licht-Schatten-Reflexe oder das Frisbee Suchtpotenzial. Es gibt Hunderassen, die für dieses Verhalten besonders anfällig sind. Dazu zählen beispielsweise Hütehunde, Schäferhunde oder Jack Russel Terrier. Genetisch kann diese Veranlagung auch verankert sein. Doch auch individuell lassen sich viele Hunde finden, die im Laufe ihres Lebens durch den Hundeführer angefixt wurden. Dies passiert meist unbewusst. In der Junghundephase ist die dafür Gefahr am stärksten.

Während des Ausführens der Sucht wird im Hundekörper eine neurochemische Selbstbelohnung ausgeschüttet, in Form von Botenstoffen des Gehirns. Genau diese Ausschüttung der Stoffe birgt das hohe Suchtrisiko. Zusätzlich kann auch ein Hormon ausgeschüttet werden, das die Reizschwelle sinken lässt und negative Verhaltensweisen hervorkommen lässt. Angetrieben wird das Ganze durch das ständige Hin- und Herrennen. Durch die gefühlte Befriedigung im Hundekörper wird er immer mehr Spiel von seinem Hundeführer verlangen und sich selbst so hochschaukeln.

Es ist schwer zu sagen, wann die Grenze zum Suchtverhalten überschritten wird. Sind die Hunde ruhig beim Spielen dabei, bringenden Gegenstand mal zurück, legen sich aber auch mal hin, ist dies ganz normales Verhalten. Hunde mit Suchtpotenzial hingegen, müssen ihrem Hundeführer den Gegenstand zurückbringen, weil sie nicht anders können. Sie handeln völlig kopflos und folgen dem geworfenen Gegenstand überall hin bis hin in Gefahrenzonen. Ein einfaches Ausbleiben und -lassen der Aktivität ist mit einem kalten Entzug zu vergleichen. Die Hunde können dadurch Verhaltensstörungen aufweisen. Daher ist von dieser Methode abzuraten.

Es ist daher wichtig die Erziehung des Hudes und das Spielen mit ihm seinem Charakter und der Rasse anzupassen. So benötigen einige Hunde in der ersten Zeit mehr Bindungs- und Impulskontrolle und können erst mit der Zeit an Auslastungsspiele herangeführt werden. Wichtig ist es zudem, einen Ausgleich zwischen Aktivitäts- und Entspannungsphasen zu schaffen.

Durch einen kleinen Test könne Suchtanzeichen getestet werden. Dem Hund wird sein möglicher „Suchtgegenstand“ gezeigt ohne diesen zu nutzen und er wird daraufhin wieder weggelegt. Nun soll er anderweitig beschäftigt werden, ohne die Aufmerksamkeit zurück zum Gegenstand zu lenken. Er soll dabei wirklich entspannt bleiben . Zeigt sich der Hund auf diese Art und Weise ist alles in Ordnung.

Suchtanzeichen währen hingegen, wenn der Hund fiept, zittert oder hibbelig wird. Oft stupsen die Hunde ihren Hundeführer immer wieder an und wollen ihn auffordern zu Werfen. Vielleicht ist er sogar aggressiv. Dort sollte sich unbedingt fachlich kompetente Hilfe geholt werden. Für den Anfang ist eine Ablenkung durch Kopf- oder einfache Nasenarbeit angebracht. Hektische Übungen eignen sich nicht. Der Hund muss das Interesse an seinem Menschen wiederfinden! Nur so lässt sich der Schaden beheben und die Bindung zwischen Hund und Mensch wieder aufbauen.