Vom Straßenleben in das Menschenleben

Anni Warfen Aktuelle Themen, Interessantes, Wissenswertes

Viele Hunde fristen ein trostloses Dasein auf der Straße. Ohne jeglichen Menschenkontakt streunen sie durch die Städte und versuchen ihr Überleben zu sichern.

Zunehmend nehmen sich Menschen diesen Hunden an. Sie wollen den Vierbeinern, die in ihrem Leben viel Negatives erlebten, ein neues Leben ermöglichen. Oft kommen diese Hunde aus dem Süden und für sie beginnt ein neuer Lebensabschnitt im Alltag der neuen Familie. Die Abläufe mit Menschen sind sie nicht gewöhnt und vieles ist neu für sie. Dabei sollte niemals vergessen werden, dass dieser Hund einmal auf der Straße lebte.

p1020632 Er hat Erfahrungen und Erlebnisse durchlebt, die ein normaler Haushund nicht kennt. Diese Hunde tragen andere Verhaltensweisen in sich und wissen vor allem, was es heißt auf sich allein gestellt zu sein. Die Arbeit mit diesen Hunden ist komplexer als mit einem Hund vom Züchter. Dennoch ist die Hürde mit viel Zeit und Ausdauer zu schaffen.

Die ersten Tage verhalten sich die Hunde meist sehr schüchtern und verhalten. Sie verstecken sich und kommen meist nur nachts heraus zum Fressen und Trinken, wenn ihre neuen Besitzer schlafen. Zudem wirken sie sehr unsicher und sie halten Abstand zu Menschen. Auch starkes Zittern ist nicht unüblich.

Dieses Verhalten der Hunde lässt sich durch die vielen negativen Erfahrungen mit Menschen während ihrer Zeit als Straßenhund erklären. Das Verscheuchen, Treten oder gar Abwerfen mit Gegenstand lehrte die Hunde, die Menschen zu fürchten und zu meiden. Daher dauert es, bis das Vertrauen fruchtet. Auf der Straße waren die Hunde auf sich allein gestellt. Viele ihrer alten Verhaltensmuster legen sie nur schwer ab. Doch mit viel Geduld und Einfühlvermögen lässt sich dieses Hindernis überwinden.

p1020421Sollte der ehemalige Straßenhund dennoch seinen Kopf durchsetzen und eigenständiges sowie unangebrachtes Verhalten aufweisen, kann der neue Hundebesitzer dem Hund für eine gewisse Zeit die Nähe entziehen. Dieser Ausschluss aus dem Rudel ist für den Hund ein klares Zeichen. Er sucht die Nähe seines Rudels also zum Menschen. Bekommt er diese Aufmerksamkeit nicht, befindet er sich nicht mehr im Schutz des Rudels. Diese kleine Erziehungsmethode kann sehr hilfreich sein. Wichtig ist jedoch, den Hund so zu nehmen, wie er ist.

p1020664Das gemeinsame Training mit dem Hund gliedert sich in drei Bereiche auf. Besonders die Körpersprache zeigt sich als wichtiges Führungselement.
Der Hund muss lernen, dass er der menschlichen Stimme wieder Vertrauen kann und sich von ihr führen lässt. Auch muss der Mensch lernen, die Körpersprache seines Hundes zu deuten.

Auch auf Teamwork kommt es an. Sowohl Hund als auch Mensch müssen arbeiten und lernen.
p1020546Zu guter Letzt ist auch das Spiel ein wichtiger Teil für den Aufbau einer Beziehung. Dabei ist besonders der Körperkontakt wichtig. Rangel- und Laufspiele lasten Hund und Hundebesitzer aus.

Straßenhunde können sich in das menschliche Leben eingliedern. Besonders im Kontakt mit anderen Hunden können sie positiv auffallen. Teilweise wissen sie sich anderen Hunden gegenüber, angemessen zu verhalten.

Je länger ein Hund auf der Straße lebte, umso tiefer sitzen seine erlernten Überlebensstrategien. Das Alter dieser Hunde wird oft nicht richtig eingeschätzt, daher ist es schwierig zu sagen, wie lang ein Hund wirklich auf der Straße lebte. Doch wird ausreichend Zeit aufgebracht und sich intensiv mit dem Hund und seinem Charakter auseinandergesetzt, kann eine Eingliederung gut gelingen. Auch wenn die Hunde oft einige Straßenmacken inne behalten. Doch diese Eigenheiten sollte ihm gelassen werden.

Wichtig ist, dass der ausgewählte Hund vor dem Kauf auf Krankheiten überprüft wird. Im Süden werden viele Krankheiten durch Parasiten übertragen. Die Krankheitsergebnisse sollten unbedingt schriftlich vorliegen und mit genauer Sicherheit von dem ausgewählten Hund stammen. Interessenten, die ehemalige Straßenhunde aufnehmen wollen, sollten sich unbedingt über die Krankheiten aus dem Mittelmeerraum informieren. Dennoch können Krankheiten auch erst nach Monaten ausbrechen und dieser Gefahr sollte sich der neue Hundebesitzer bewusst sein.