Pfotenlecken, Krankheit oder psychisch bedingt?

Anni Warfen Aktuelle Themen, Gesundheit

Alle Hunde lecken hin und wieder an den Pfoten, meist um sich zu putzen. Wenn sie aber ständig lecken, beknabbern oder kauen liegt ein unphysiologischer Prozess vor. Bei hell gefärbten Hunden erkennt man das sofort, weil sich durch den Speichel das Fell an den Pfoten dunkel färbt. Im schlimmsten Fall kommt es zu starken Entzündungen.

Was ist die Ursache? Viele Faktoren kommen in Frage, so dass eine gründliche Untersuchung vom Tierarzt nötig ist, um die Ursache heraus zu finden.

Häufig haben die Hunde zwischen den Zehen Abszesse. Sie entstehen durch kleinste Verletzungen, die den Eitererregern den Weg in tiefere Gewebeschichten bahnen. Zwischenzehenabszesse sind schmerzhaft und jucken. Eventuell muss der Abszess im reifen Stadium gespalten werden, im Anfangsstadium reicht oft die Gabe eines Antibiotikums. Im Sommer muss man auch daran denken, dass sich ein Fremdkörper, wie eine Granne einspießt und zu einem Abszess führt. Dieser muss dann entfernt werden. Im Winter ist oft Streusalz der Übeltäter, der zwischen den Zehen und den Ballen Entzündungen hervorruft. Füße waschen nach dem Spazierengehen beugt vor.

Juckreiz an den Pfoten kann aber auch durch die Vermehrung Hauteigener Milben und Pilze hervorgerufen werden. Dann liegt eine andere Grundkrankheit vor. Vermehrt sich die Demodexmilbe im Übermaß, hat der Hund vielleicht eine immunsuppressive Cortisonbehandlung hinter sich. Oder sein Körper produziert zu viel eigenes Cortison. Dann handelt es sich um das Cushing Syndrom, das medikamentös behandelt wird.

Allergien auf was auch immer (Futter-, Umweltallergene) lassen den Hefepilz Malassezia vermehren. Diese Patienten leiden sehr häufig auch noch an einer Ohrenentzündung. Eine mikroskopische Untersuchung bringt Aufklärung. Auch hier ist Priorität, das Allergen zu finden. Der Hefepilz lässt sich gut behandeln (Shampoons,Lotionen).

Wenn nach der gründlichen Untersuchung nichts heraus kommt, ist eine Verhaltensstörung wahrscheinlich. ALD (Acral Lick Dermatitis). Ist der Hund zu lange alleine, langweilt er sich, hat sich im familiären Umfeld etwas geändert (Umzug, eine Bezugsperson fehlt, eine fremde kommt hinzu etc.), oder einfach Angst? Dann beginnt der Teufelskreis. Das Lecken an den Pfoten wird zur Zwangshandlung um Stress abzubauen. Das Belecken setzt Histamin frei und führt zum Juckreiz, wie bei uns, wenn wir an Insektenstichen kratzen. Der Einsatz von Cortison hilft, aber nur so lange wie man es gibt. Besser ist der Tiertrainer, der das Grundproblem herausfindet und dagegen angeht. Eventuell kann der Tierarzt mit einem geeigneten Medikament (Antidepressivum, Pheromon,usw,) unterstützend das Training begleiten.