Interview mit Anni Warfen

Anni Warfen Aktuelle Themen, Interessantes

Anni Warfen führt ihrem schwarzen Riesenschnauzerrüden „Bachus vom alten Kamp“ seit Jahren erfolgreich im Hundesport. Sie wurde mit Bachus Deutsche Meisterin IPO 2012.

Was ist dein Hintergrund zu Hunden?
image001Ganz klassisch bin ich mit Hunden groß geworden. In meiner Familie gab es immer Dackel. Dies ist aber nicht der Grund, warum es in unserer Familie Hunde gibt. Wir haben einen landwirtschaftlichen Betrieb und vier Kinder. Ich wünschte mir damals ein fünftes Kind. Mein Mann fragte mich in diesem Zusammenhang, wie es denn mit einem Hund wäre. Außergewöhnlich, aber so war es.

Ich befasste mich mit den unterschiedlichen Rassen, und es wurde eine Große-Schweizer-Sennenhündin, die dann bei uns einzog. Beim reinen Familienhund ist aber nicht geblieben. Ich trat in den Schweizer-Sennen-Hunde-Verein (SSV) ein und wurde hier Züchterin für Große-Schweizer-Sennenhunde.

Nach dem zweiten Kaiserschnitt meiner Hündin war die Zucht nicht mehr möglich, und ich suchte nach einem weiteren Betätigungsfeld für mich und meinen Hund.

Wann hast du mit dem Hundesport angefangen?
image002Gott sei Dank gab es im SSV die Sparte „Erziehung und Ausbildung“. Unsere damalige Obfrau für Erziehung und Ausbildung, Frau Dr. Herz, führte mich damals in die komplexen Themen Hunderziehung und sportliche Ausbildung ein. Schon damals lernte ich Ralf Achilles kennen, der Frau Dr. Herz beim Aufbau der Sparte tatkrätig unterstützte.
Im Jahr 2000 war ich noch weit davon entfernt, auch nur ansatzweise an eine sportliche Karriere mit dem Hund zu denken. Zunächst lag unser Schwerpunkt in der konsequenten Ausbildung meiner Hündin zur gehorsamen Begleiterin in allen Lebenslagen.

Die erste Prüfung, die ich mit meiner Gipsy vom Steenkamp (genannt Elsa) absolvierte, war eine Gehorsamsprüfung im SSV. Mit meiner Elsa stieg ich danach in den Fährtenbereich ein. Natürlich blieb es auch bei mir nicht bei einem Hund. Zunächst stieß meine Golden-Retriever-Hündin, Assi von der Bisnitz (genannt Trine) dazu, mit der ich neben den obligatorischen Prüfungen, Gehorsam und Begleithund, auch Fährten und Dummy-Prüfungen ablegte. Hinzu kam 2001 mein Großer-Schweizer-Sennenrüde, Asmus vom Schloß Mansfeld (genannt Josef), mit dem ich sogar an der Landesmeisterschaft FH der Landesgruppe Niedersachsen im DVG erfolgreich teilnahm.

Im SSV wurde ich weiter gefördert und auch gefordert und habe meinen sportlichen Werdegang dem Engagement und der fundierten, disziplinierten Ausbildung in diesem Rassezuchtverein zu verdanken. Heute bin ich selbst in meiner Funktion als Obfrau für Erziehung und Ausbildungswesen aktiv an der Weiterentwicklung des Ausbildungsgeschehens im SSV beteiligt

Ist Bachus dein erster Riesenschnauzer und nach welchen Kriterien hast du ihn ausgesucht?
image003Bachus vom Alten Kamp ist mein erster Riesenschnauzer. Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Großen-Schweizer-Sennenhund, mit dem ich weiterhin im SSV sportlich aktiv sein wollte. Mit viel Weitblick schlug mir meine Freundin Beate Kretschmann vor, mir einen Wurf Riesenschnauzer-Welpen bei Volker Pollmann anzuschauen. Sie ahnte es wohl schon, denn es war Liebe auf den ersten Blick.

In welchem Alter kam Bachus zu dir?
Bachus kam im Alter von neun Wochen in unsere Familie.

Wann hast du mit der Ausbildung begonnen?
image004Bachus genoss von Anfang an eine intensive und fundierte Ausbildung in den Bereichen Alterstauglichkeit, Unterordnung, Fährten, Stöbern usw. Er war bis zum Alter von 18 Monaten ein vielbeschäftigter, aber nie ganz ausgelasteter Hund.

Meine Freundin Beate Kretschmann wies mich dann darauf hin, dass ein Gebrauchshund eine seiner Bestimmung nach ausgerichtete Ausbildung bräuchte. Nachdem ich mich ausgiebig mit dem Thema Vielseitigkeitssport auseinandersetzte, kam ich nach langer Suche in die Ortsgruppe Stade des PSK.

Nachdem ich feststellte, wie ausgeglichen und befriedigt mein Hund jedes Mal nach dem Schutzdienst-Training war, zerstreuten sich meine Bedenken gegenüber dem Schutzdienst.

Seitdem trainieren wir in allen drei Sparten gleichermaßen. Zu beobachten, mit welcher Leidenschaft ein Gebrauchshund in seinen genetisch verankerten Anlagen aufgeht, erfüllt mich jedes mal wieder mit Freude.

Wie oft trainierst du mit Bachus?
Mit Bachus, wie auch mit Einer Eule, trainiere ich täglich in unterschiedlich langen und intensiven Einheiten. Die Trainingseinheiten, die wir auf dem Hundeplatz absolvieren, nehmen dabei den kleinsten Teil ein. Die intensive Ausbildung kleinster Schritte und Details vollziehen wir im täglichen Geschehen.

image005Die Arbeit in allen drei Abteilungen wird im Trainingsteam abgestimmt und umgesetzt.
In der Fährtenarbeit werden die Grundlagen zu Beginn täglich trainiert. Von der Entwicklung der geruchlichen Wahrnehmung über die Tempoarbeit bis hin zur Legetechnik und Gegenstandsarbeit wird die Basis für einen guten Fährtenhund gelegt. Hat der Hund eine Fährtenreife erlangt, können die wöchentlichen Trainingseinheiten entsprechend reduziert werden.

Ohne Unterordnung geht gar nichts. Somit ist die Unterordnung eine Arbeit, die zeitlebens täglich zu absolvieren ist. Hier ist das Training im Team ganz besonders gefragt. Die modernen Anforderungen in der Unterordnung an die technisch einwandfreie Ausführung von Übungen von Hund und Hundeführer sowie an den freudigen und konzentrierten Ausdruck des Hundes, machen die Arbeit im Team unerlässlich! Eine ständige Kontrolle erreichter Trainingsziele, auch in kleinsten Schritten, ist hierfür notwendig.
Je nach Ausbildungsphase trainieren wir ein- bis dreimal pro Woche Schutzdienst am Helfer. Die vorbereitenden Trockenübungen dazu werden täglich allein oder im Team absolviert. In Zusammenarbeit mit unserm Schutzdiensthelfer und Ausbildungswart, Sören Roggenbau, wird jeder Ausbildungsschritt detailliert geplant und umgesetzt. Mit fundierten Kenntnissen über das Wesen der Hunde, den Wunsch sich in Ausbildungsmethoden weiterzuentwickeln und qualitativ hochwertiger Arbeit setzt Sören unsere gemeinsamen Trainingsziele um.

Welchen Einfluss auf Bachus hat das Leben mit und in der Hundeschule?
image007Bachus profitiert vom Leben mit und in der Hundeschule in meherer Hinsicht. Natürlich kann ich meine Erfahrungen, die ich in meiner Tätigkeit als Hundetrainerin sammele, direkt umsetzen. Dies können Fragen der Gesundheit, Erziehung oder auch Sozialsierung sein.

Wie verhält sich Bachus in der Familie?
Bachus ist in erster Linie ein Familienhund. Hier verhält er sich, wie man es sich von einem guten Familienbegleiter wünscht.


In welcher Ortsgruppe trainierst du?
image008Meine Ortsgruppe ist Stade in der Landesgruppe Nordmark. Um dort zu trainieren, fahre ich 150 km pro Strecke durch drei Bundesländer. Hier habe ich Menschen gefunden, die teamfähig sind, die füreinander da sind, durch Höhen und Tiefen gehen, sich miteinander sorgen und freuen können. Für mich ist dies ein optimales Umfeld, um mich mit meinem Hund weiterzuentwickeln.

Hier werden auch andere Gebrauchshunderassen geführt, trainiert und gefördert. Das Schauen über den Tellerrand hinaus halte ich persönlich für ganz wichtig!

Seit viereinhalb Jahren trainiere ich mit Jenny Hauschild und Sibylle Heykena in einem Team. Die intensive Zusammenarbeit hat uns nicht nur sportlich zusammenwachsen lassen. Tiefes gegenseitiges Vertrauen ist die Voraussetzung dafür, sich miteinander sportlich weiterzuentwickeln, auch Kritik annehmen zu können, motiviert weiter an Zielen zu arbeiten, auch einmal Misserfolge zu verarbeiten und sich gemeinsam am Erfolg erfreuen zu können

Wie siehst du die Entwicklung der Riesenschnauzer im Vergleich zu anderen Gebrauchshunderassen?
image009Vom Riesenschnauzer bin ich restlos überzeugt. Für mich persönlich habe ich die richtige Rasse gefunden. Wer sich für einen Riesenschnauzer entscheidet, muss wissen, dass die Vertreter dieser Rasse eine lange Entwicklungszeit benötigen, um vollständig erwachsen zu werden.

Meiner Ansicht nach führt das frühe Heranführen der Riesenschnauzer an Anforderungen, denen sie aufgrund Ihres langen Reifeprozesses noch nicht gewachsen sein können, dazu, dass das gesamte Potential dieser tollen Hunde nicht immer ganz ausgeschöpft werden kann.

Die Möglichkeiten, die sich aus der Einflussnahme im Rahmen dieser langen Entwicklungsphase zum erwachsen Hund ergeben, üben einen besonderen Reiz auf mich aus.

Was sind deine Zukunftspläne?
image010Zunächst hoffe ich, dass ich gemeinsam mit Bachus noch einige Träume verwirklichen kann. Mit Eine Eule vom Alten Kamp ist 2011 der Nachwuchs bereits bei uns eingezogen. Überzeugt von der Qualität der Hunde bin ich dem Züchter vom Alten Kamp, Volker Pollmann, treu geblieben. Somit steht meinen weiteren sportlichen Ambitionen nichts im Wege.

Vielen Dank für deine Ausführungen. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg.

Quelle: Pinscher und Schnauzer November 2012