Ein paar Mal nachgegeben und schon sind die Probleme da

Anni Warfen Aktuelle Themen, Erziehung und Ausbildung, Interessantes, Wissenswertes

Viele kennen diese Probleme: Der Hund ist schon länger in der Familie. Sei es seit dem Welpenalter oder auch später. Zu Beginn klappt alles wunderbar. Der Hund hört, alles funktioniert einwandfrei und man hat nur wenig Sorgen mit ihm. Doch mit der Zeit wird dieses tolle Verhalten immer seltener.

Zuerst sind es nur Kleinigkeiten, doch zunehmend werden die Kommandos vom Hund ignoriert. Oft werden dies Taten vom Hundeführer mit Eingewöhnungsproblemen, dem jungen Alter oder einem schlechten Tag entschuldigt. Dieses Fehlverhalten kommt langsam und breitet sich zunehmen in der Erziehung aus und führt schlussendlich zu Problemen. Der Hund nutzt es zunehmend aus, dass ein Nein nicht unbedingt Nein heißt. Er wird diesem Befehl nicht mehr folgen und die gute Erziehung ist dahin. Es zeigt sich also, dass Nachgiebigkeit zu großen Erziehungsproblemen führen kann. Auch in Gefahrensituation wird der Hund nicht mehr hören.

Denkt der Mensch zuvor nur daran, dass der Hund es bei ihm gut haben soll, so wird vieles vernachlässigt. Ohne Erziehung kann es einem Hund nicht gut gehen. Was macht es schon, wenn ein kleiner Welpe uns auf dem Bauch herumspringt? Es ist doch nicht schlimm, wenn der kleine Racker den Hühnern vom Nachbar hinterherrennt und alles was zu lachen haben, wenn er dabei einen Purzelbaum macht. Und wenn er nicht auf das erste Nein hört auf das Zweite oder dritte hört er ganz bestimmt. Doch denken wir nun mal ein paar Jahre weiter…

Wie fühlt es sich an, wenn ein ausgewachsener Berner Sennenhund auf uns herumtollt ohne Rücksicht auf Verluste. Was passiert, wenn der erwachsene Hund seine Beine unter Kontrolle hat und Muskeln aufbaut? Welches Huhn ist dann noch schneller? Und wenn der Hund auf die Straße rennt und es kommt ein LKW, welches nein zählt dann?
Natürlich ist keine Hundeerziehung perfekt und auch nicht jeder Erziehung läuft komplett aus dem Ruder. Doch bei uns allen schleichen sich mit der Zeit kleine Fehler ein. Werden diese nicht behoben und weiten sich aus, kann dies zum echten Problem werden.
Was eine Vorstellung: Ein Hund der nicht zieht, hört wenn man ihn ruft und seine ganze Aufmerksamkeit dem Hundeführer schenkt.

Es ist selbstverständlich nicht möglich, sich einen perfekten Hund zu zaubern. Doch mit Geduld, dem richtigem Training, Ausdauer und einem starken Willen kann auch der eigene Hund vorbildlich erzogen werden. Dafür wird erst einmal eine ordentliche Erziehungsbasis benötigt
Der Hund soll sich in unserer Nähe wohlfühlen. Dies sollte er auch über Streicheleinheiten und Spiele vermittelt bekommen. Nur wenn er gerne bei uns ist, wird er automatisch die Nähe zu uns suchen. Er muss die Nähe des Menschen insbesondere seines Menschens schätzen lernen.

Nicht nur im Haus sollte der Hund diese Nähe suchen, auch draußen und im besten Fall unter Ablenkung.
Das Spazierengehen an einer lockeren Leine ist ein wichtiger erster Punkt. Der Hund soll sich an seinem Hundeführer orientieren. Dieser gibt das Tempo und die Richtung vor. Der Hund folgt diesen Anweisungen. Er zieht nicht wie wild an der Leine und hetzt den Hundeführer durch die Gegend. Wird der Hund also schneller als der Mensch, so ändert der Zweibeiner einfach seine Laufrichtung. Zuerst dreht er sich weg vom Hund und kann später dann auch sich zum Hund hinwenden, um ihm den Weg abzuschneiden.

Der Hund soll nicht nur neben dem Menschen hertrotten. Er soll durch die Übungen lernen, in Richtung Mensch zu denken. Es hilft auch, das an der Leinegehen mit Kommandos zu belegen. So sollte ein Startkommando festgelegt werden. Der Hund weiß dann, dass es beginnt. Genauso ist ein Kommando für das Ende wichtig. Damit weiß der Hund, dass die Übung an der Leine beendet ist. Gelobt wird der Vierbeiner, sobald er seine Konzentration auf den Menschen richtet und neben ihm läuft. Klappt die Übung ohne Ablenkung gut, sollte auch weiter mit Ablenkung trainiert werden. Nur so lässt sich ein zuverlässiger Hund erziehen.

Für einen guten Rückruf benötigt der Hund ein klares Kommando. Dessen Bedeutung sollte er vorerst ohne Ablenkung kennenlernen. Versteht der Hund das Kommando und kommt einwandfrei zurück, kann es unter Ablenkung ausgeführt werden. Das Ziel ist es, den Rückruf unter jeden Umständen durchzuführen. Zu Beginn ist manchmal auch eine Schleppleine hilfreich. Gleichzeitig muss der Mensch eine klare Körperausstrahlung geben. Das bedeutet nicht bedrohlich wirken aber klar zum Ausdruck bringen, dass der Hund kommen soll. Sobald der Vierbeiner sich in Richtung Mensch bewegt darf er gelobt werden. Ist er beim Hundeführer angelangt, sollte er sich sofort wohlfühlen. Das bedeutet also je nach Hund knuddeln, schmusen, spielen oder Leckerchen.

Manchmal hilft es auch danach, denn Hund gleich wieder gehenzulassen. Er weiß somit, das Kommen zum Hundeführer bedeutet nicht gleich Freiheitsentzug. Bei Hunden, die schon feste Zurückkommmacken besitzen, kann diese Lernprozedur auch etwas länger dauern und mehr Geduld beanspruchen. Bei diesen Hunden ist es wichtig, das Ankommen beim Hundeführer extrem angenehm zu gestalten. Die Hunde müssen lernen, es ist das Tollste zurück zum Menschen zu kommen, dann geht es mir so richtig gut und der Spaß muss keinesfalls zu Ende sein. Doch auch dabei muss der Hund ein ganz klares Kommando lernen, wann er sich vom Mensch entfernen darf. Das bedeutet beispielsweise, erst auf das Kommando „Und lauf“ darf sich der Hund vom Menschen entfernen.

Auch dort ganz deutlich die Gedanken Richtung Menschen. Der Hund soll auf den Menschen achten, ihm folgen und auf seine Kommandos hin handeln.
Schon beim Autofahren fängt es an. Sind Hund und Mensch beim Spazierweg angekommen, darf nicht der Hund entscheiden, wann er aussteigen möchte. Erst auf das Kommando des Menschen hin, darf der Hund das Auto verlassen. Dabei kann die Tür schon fünf Minuten offen sein oder nicht. Der Hund hat zu Warten. Auch nach dem Aussteigen darf er weder ziehen, noch jaulen. Er hat zu warten, bis der Mensch alles fertig hat und dem Hund das Kommando zum Losgehen erteilt. Gerade bei ziehenden Hunden kann man sich nach dem Aussteigen zuerst auf die Leine stellen und den Hund zur Enstpannung bringen. Ruckartiges Gegenhalten würde das Gegenteil bewirken. 
Bei allen Übungen ist es wichtig, auch mal die Abläufe zu verändern.

Der Hund absolviert dann nicht seine Routinen, sondern muss sich genau den Wünschen des Menschen anpassen.
Auch das Nein zählt zu den wichtigen Übungen. Wenn der Mensch Nein sagt, muss auch für den Hund Nein sein. Gerade bei dieser Übung muss der Hund genauestens beobachtet werden. Was hat er vor und was ist gerade für ihn interessant. Das Kommando Nein darf erst dann erfolgen, wenn der Hund nicht versucht sich doch noch durchzusetzen oder gedanklich weitermacht. Es ist manchmal hilfreich sein Nein mit einer körperlichen Geste zu unterstreichen, damit der Hund versteht, er mein es ernst.

Zur Überprüfung ob ein Signal wahrgenommen wurde, kann der Hundeführer sich auch mal wegdrehen. Macht der Hund sofort mit der verbotenen Sache weiter, ist es nicht zu ihm durchgedrungen. Die Situation ist erst überstanden, wenn der Hundeführer sich ganz sicher sein kann, dass das Nein akzeptiert wurde. 
Hunde testen immer wieder mal Grenzen aus. Daher ist es wichtig, ab und an zu überprüfen, ob die Kommandos noch abrufbar sind. Klappt etwas nicht mehr ganz so gut, sollte erstmal ein Schritt zurückgegangen werden. Erst im Kleinen üben, um das Kommando dann sicher in einer großen Situation anzuwenden.

Festgehalten gilt: Der Hund hat die verlangten Kommandos zu befolgen. Gibt der Mensch zu oft nach oder wiederholt die Kommandos mehrmals hintereinander ohne Reaktion des Hundes, wird der Hund auf Dauer nicht mehr zuverlässig hören. Strukturen und Regeln sind immens wichtig für einen Hund. Sie geben ihm Halt und Sicherheit. Dabei heißt es auch, diese Strukturen und Regeln konsequent umzusetzen. Durch das verlässliche Befolgen von Kommandos hat auch der Mensch ein größeres Sicherheitsgefühl. Er kann sich, seinen Hund und auch andere in Gefahrensituationen schützen. Eine regelmäßige Kontrolle der Kommandos gibt Aufschluss über das Gehorchen des Hundes. Im Notfall kann bei Schwierigkeiten noch einmal angesetzt werden. Nur mit einer Strukturvorgabe durch den Menschen kann der Hund entspannt durchs Leben gehen. Die Arbeit lohnt sich. Das angenehme Miteinander entsteht durch das genaue Befolgen der Kommandos und ermöglicht dem Hund, mehr Freiheiten zu genießen.