Bissigkeit bei Hunden

Anni Warfen Aktuelle Themen, Wissenswertes

Nicht immer hat das Verhalten eines bissigen Hundes mit Aggressionen oder Böswilligkeit zu tun. Es gibt viele Ursachen aus denen eine Bissigkeit bei Hunden entsteht. Bei vielen von diesen Ursachen sind sich die Menschen ihrer eigenen massiven Schuld gar nicht bewusst. Es ist auch nicht gesagt, dass große und bullige Hunde aggressiver sind als kleine zierliche Hunde.

Zum einen gibt es Hunde, die ihre eigenen Besitzer aber auch andere Personen beißen, obwohl sie stets viel Liebe und Freiräume erfahren. Genau dabei liegt das Problem. Diese Hunde werden ständig betütelt und mit Liebe überhäuft. Doch klare Strukturen, eine Ordnung oder Regeln innerhalb des Alltags oder dem Rudel haben sie nie erfahren. Diese offene und grenzenlose Hundeführung führt dazu, dass der Hund die Leithundposition einnimmt. Sein Beißen ist nicht böse gemeint, sondern soll als Ordnungsgeste verstanden werden. Der Hund hat das Gefühl, das Rudel führen zu müssen. Der Mensch macht es nicht, ist so ist es seine Verantwortung. Es ist wichtig in dieses Zusammenleben neue Strukturen reinzubringen.

Eine weitere Form des Beißens ist die Unterdrückung der Familie bei Alpha-Hunden. Auch dort liegt ein Versagen der Menschen in der Leitposition vor. Der Hund hat nicht das Gefühl, dass seine Besitzer die Leitposition übernommen haben und ihn führen. Somit sieht er sich in der Pflicht diese Position zu übernehmen und das Rudel zu leiten und zu schützen. Schon bei den kleinsten Auffälligkeiten ist dieses Verhalten zu unterbinden und dem Hund sollte bewusst gemacht werden, welche Position er wirklich hat.

Einige Hunde sind besonders auffällig gegenüber Besuchern. Einige Besucher werden gezwackt oder gar richtig gebissen. Der Hund will damit aussortieren und entscheiden, wer zum Rudel gehört und wer nicht. Der Hundeführer ist dabei in der Pflicht, dies zu unterbinden. Der Hund entscheidet nicht selbständig, wer dazugehört und wer nicht. Kommt der Hundeführer seiner Aufgabe nicht nach, besteht die Gefahr, dass der Hund die Rudelführung übernimmt.

Rangordnungskämpfe können immer wieder mal vorkommen. Dabei ist es wichtig, dem Hund seine Position stets bewusst zu machen. Zusätzlich sollte man bedenken, dass Säuglinge und Kleinkinder für Hunde nicht in der Rangordnung sind. Sie werden wie Welpen betrachtet und dürfen sich daher meist auch viel mehr erlauben. Die Hunde sind geduldiger mit ihnen.
Sollten dennoch einmal Aggressionen bei einem Hund gegenüber kleinen Kindern oder Säuglingen beobachtet werden, ist sofortige Alarmbereitschaft gefordert. Dieses Verhalten eines Hundes ist nicht gesund. Es könnten sogenannte Degenerationserscheinungen vorliegen. Die schlimmste Form sind dabei die Totbeißer. Sie haben jegliche Verhältnisse verloren und machen vor nichts und niemanden Halt. Der Hund benötigt Hilfe und geeignetes Fachpersonal.

Gesunde Hunde würden Säuglingen oder Kleinkindern niemals etwas antuen. Für sie entwickeln sie einen Beschützerinstinkt. Dennoch sollten Hunde und Säuglinge nach der Geburt langsam aneinander gewöhnt werden. Der Hund sollte immer dabei sein und sich nicht ausgeschlossen fühlen. So lernt er, dass der kleine Mensch dazu gehört. Daher ist immer gut zu überlegen, ob die Anschaffung eines Hundes mit einem Säugling realisierbar ist. Der Hund sollte nicht in die Vernachlässigung rutschen und damit vielleicht gestörte Verhaltensweisen entwickeln. Hund und Kind danken es einem, wenn der richtige Zeitpunkt gewählt wird.

Das allseits berühmt und berüchtigte Thema Briefträge, Hunde und Beißen ist immer noch überall bekannt. Immer wieder kommt es zu Vorfällen zwischen Hund und Briefträger. Auch dort lässt sich wieder mit dem Rudel argumentieren. Für den Hund ist der Briefträger eine außenstehende Person, die nicht zum Rudel gehört. Der Hund möchte sein Rudel warnen und schützen. Hilfreich ist es, den Briefträger einmal für einen Kaffee hereinzubitten. Der Hund erkennt so, dass der Briefträger vom Rudel akzeptiert wird und sogar Nahrung von ihm erhält. Für den Hund ist dies eine wichtige Geste, um den Briefträger als Freund anzuerkennen. Von Leckerlifütterung ist abzuraten. Hunde verlieren so Mistrauen gegenüber fremden Personen und lassen sich mit Futter bestechen. Auch gefährliche Personen werden so als Freunde definiert.

Zum Schluss gibt es noch die im Gehirn erkrankten Hunde. Sie beißen wahllos um sich und treffen dabei auch Familien- und somit Rudelmitglieder. Durch ihre Erkrankung können sie dies nicht mehr kontrollieren. Beißt ein Hund also grundlos und unkontrolliert, ist Aufmerksamkeit wichtig. Dieser Hund könnte unter einer Hirnerkrankung leiden und benötigt tierärztliche Hilfe.
Auch Hunde mit körperlichen Schmerzen können bissiges Verhalten zeigen. Sie können ihr Leiden nicht einordnen und verbinden es manchmal mit vorbeikommenden Personen. Sie haben das Gefühl, dass die vorbeikommende Person verantwortlich für die Schmerzen ist. Auch dabei ist ein Tierarzt gefragt.