Angst und Aggression bei jungen Hunden

Anni Warfen Aktuelle Themen, Erziehung und Ausbildung, Interessantes, Wissenswertes

In den ersten fünf bis sechs Lebensmonaten eines Welpen prägt sich vieles für sein späteres Leben. Immer mehr Sinnesorgane beginnen aktiv zu arbeiten und der kleine Welpe kann so immer mehr wahrnehmen. Dabei ist das Zusammenspiel von Aufnahme, Verarbeitung und Bewertung der neuen Reize entscheidend. Gleichzeitig bildet es die Basis der zukünftigen Verhaltensweisen der Hunde. Je nachdem ob eine Auseinandersetzung mit der Umwelt positiv oder negativ bewertet wird, wirkt sich dies auf das Verhalten des Hundes aus.

Die Reize den der Welpe gewollten oder ungewollten ausgesetzt ist, prägen ihn. Kommt somit eine fremde Person wie der Paketbote auf das eigene Grundstück, hat er viele Möglichkeiten diese Situation einzuordnen. Diese können sowohl negativ als auch positiv sein. Es ist wichtig, dass der Welpe lernt, dass der Paketbote freundlich ist. So ist es für ihn eine positive Auseinandersetzung. Durch die erste Begegnung formen sich sein soziales Lernen und damit sein Verhalten. Es kommt also ganz auf die Situation und das Handeln des Gegenübers an. So bewertet der Welpe und ordnet die Situation ein. Kommen negative Situation in dieser Lernphase des Welpen öfter vor, verfestigen sich diese Begegnungen. Daher kommt dem Hundeführer und dem Rudel des Hundes also der Familie eine wichtige Funktion zu. Sie müssen dem kleinen Hund helfen und in bestimmten Situationen vermitteln, damit negative Situationen erst gar nicht entstehen.

Der Hund soll nicht durch eine falsche Situation in einer ständigen Angst vor etwas leben. Hat der Hund stets Angst vor etwas oder jemanden, egal ob es sich gerade in der Nähe befindet oder nicht, kann solch ein Verhalten krank machen. Der Hund befindet sich in einer ständigen Stresssituation. Egal welchen Alters, benötigen diese Hunde Hilfe. Ein natürliches Verhalten hingegen wäre ein Furcht Verhalten. Dieses tritt nur in der gezielten Situation auf. Gerade Welpen benötigen dieses Verhalten, um eine Situation besser einzuschätzen. Es ist also vollkommen normal, wenn sich der kleine Welpe beispielsweise vor dem Geräusch eines Staubsaugers erschrickt. Dabei zeigt er Furcht. Er sollte sich schnell wieder beruhigen. Wichtig ist jedoch nun, dass der Hund die Zeit bekommt, dass Ding, was ihm Furcht gemacht hat zu inspizieren. Egal von welcher Ursache es her rührte, das Inspizieren der Dinge nimmt dem Hund die Unsicherheit. Nur so kann der Welpe zu einem starken und unerschütterlichem Hund heranwachsen. Es sollte darauf geachtet werden, dass während der Inspizierung keine Verletzungsgefahr besteht.

Es kann jedoch auch passieren, dass der Welpe versehentlich einem Schmerzreiz ausgesetzt ist. Beispielsweise fällt das Staubsaugerrohr auf ihn. Nun ist es wichtig, diese Erfahrung zu kompensieren. Der Welpe wird als getroffen und erhält einen Schmerzreiz. Nun sollte er sofort schnell mit Stimme, Spielzeug oder Futter abgelenkt werden. Der Raum wird dafür nicht verlassen. Unter gar keinen Umständen sollte er bedauert werden. Nur so kann das Gehirn des Hundes die Situation richtig verarbeiten. Durch die positive Ablenkung wird das negative Erlebnis heruntergestuft und als nicht so schlimm angesehen. Auch eine negative Situation in einer Spielgruppe sollte so gelöst werden. Wird der Welpe von einem anderen umgeschubst, werden zuerst die anderen Welpen entfernt, der umgeschubste Welpe mit Futter oder Spielzeug abgelenkt und daraufhin nährt sich nochmal ein ruhiger Welpe. Dieser fordert ihn wieder zum sozialen Spiel auf. Erst danach kann der Welpe für eine Pause aus der Spielgruppe genommen werden. Diese Pause benötigt er auch für die Verarbeitung. Doch erst nach der eben beschriebenen Abfolge ist es dem Hund möglich, die Situation positiv abzuschließen. Wird der Welpe sofort hochgenommen, so stuft er die Situation als gefährlich ein und kann diese Gefahr mit anderen Hunden verbinden.

Auch Aggressionen gehören zum Lernverhalten der Welpen dazu. Es ist enorm wichtig, dass sie dieses Verhalten erlernen und angemessen einzusetzen wissen. Sie ist ein wichtiger Begleiter im sozialen Umfeld. Ohne die Erlernung von Aggression können Hunde Aggressionen nicht richtig zeigen. Denn Aggression ist nur dann falsch und gefährlich, wenn durch ein aggressives Verhalten jemand oder etwas zu Schaden kommt. Verteidigende Aggression sollte ignoriert werden. Diese ist für den Hund wichtig. Nur wenn es ein offensichtlicher Angriff ist, muss eingeschritten werden. Wird ein Aggressionsverhalten komplett aus der Erziehung verband, kann dies den Hund schädigen.