Wie sinnvoll ist der Kastrationschip?

Anni Warfen Aktuelle Themen, Gesundheit

Es gibt sehr viele Gründe, warum Rüden kastriert werden. Der wichtigste ist wohl ein übermäßiger Sexualtrieb. Viele Rüden leiden so darunter, dass sie sogar das Fressen einstellen, wenn in der Nachbarschaft eine läufige Hündin lebt. Aber auch Verhaltensprobleme, wie Aggressionen gegenüber anderen Rüden, Herumstreunen und übermäßiges Markieren veranlassen Hundebesitzer ihren Rüden kastrieren zu lassen. Das Verhalten kann sich bessern, oft bleibt aber alles beim Alten. Die Chancen sind umso schlechter, je höher das Alter des Hundes ist.

Die Operation ist ein Routineeingriff, der wenig gefährlich ist. Wie bei jeder Op besteht natürlich das Narkoserisiko und der Vorgang lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Deshalb schwören viele Hundehalter auf den Mikrochip, sprich die chemische Kastration. Der Chip ist 2,3x 12mm groß und wird vom Tierarzt unter die Haut implantiert. Er muss nicht entfernt werden, da er biologisch verträglich ist. Im Notfall kann man ihn entfernen, weil er im Ultraschall sichtbar ist. Das darin enthaltene Deslorelin (Handelsname Suprelorin ) hemmt die Verbindung zwischen der Hypophyse des Gehirns und der Geschlechtsorgane. Die Hormone FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) werden nicht gebildet. Beide sind für die Fruchtbarkeit nötig. Ca. 6 Wochen nach der Implantation sinkt der Testosteronspiegel ab. Vor der 6. Woche speichert der Rüde noch Samen im Nebenhoden, und ist deshalb fruchtbar .Je nach Wirkstoffmenge muss der Chip nach 6 oder 12 Monaten erneuert werden .Bei Hunden unter 10kg ist die Wirkungsdauer länger. Bei Hunden über 40kg gibt es noch keine Untersuchung. Nebenwirkungen sind unbekannt, bis auf eventuell auftretende Hautreaktionen an der Implantationsstelle.

Wirkung: die Hoden verkleinern sich und es kommt zur Zeugungsunfähigkeit, Hunde mit langem oder mittellangem Haarkleid können flusiges Fell bekommen, die Rüden markieren nicht mehr. Das Aggressionsverhalten gegenüber Geschlechtsgenossen kann sich mindern, oder auch nicht. Der Vorhautkatarrh verschwindet.

Meiner Meinung nach, gibt es folgende Gründe, sich für den Chip zu entscheiden:

Man hat die Möglichkeit, Veränderungen am Hund zu beobachten (Fellqualität, Appetitsteigerung etc.) und kann sich dann entscheiden, ob eine Kastration in Frage kommt. ein medizinischer Grund , weil der Hund aus Altersgründen oder einer Herzerkrankung nicht in Narkose gelegt werden kann vorübergehendes Problem, z.B. eine unkastrierte Hündin auf begrenzte Zeit im Haus. Kontraindikation: Hodenhochstand (wenn ein Hoden in der Bauchhöhle liegt), Hoden-und Prostatatumore, tumoröse Veränderungen in der Analgegend. Ebenso verboten ist die Anwendung bei der Hündin.

Auf Dauer halte ich die operative Kastration für sinnvoll, um den Rüden nicht ständig mit Medikamenten zu belasten. Das Gleiche gilt auch für den Geldbeutel.